Switch over, und fahr nach Düdingen. Vielleicht schon am Nachmittag, vielleicht erst am Abend, mit der S-Bahn, mit dem Campingbüssli, mit den Zelt- oder Nachtbusfreund:innen.
Switch over, und hör zu, wie das verstimmte Klavier im Garten wächst, mit verschiedenen Wünschelrutenperformances und Liedfragmenten, zur Eröffnung etwa mit Henry Love. Fast still ist es dort neben den Toi-Tois, es ist eine gute Insel.
Switch over, denn John Katokye und sein Gefährte singen an diesem Eröffnungstag Lieder vom Leben mit den Cows in den Weiten im westlichen Uganda, dem Warten auf den Regen, dem Segen, sobald dieser fällt. Es sind Lieder voller Wiederholungen, mit kurzen Sätzen «in the style of ekyeshongoro», so schreibts das Nyege-Nyege-Label zum Album «Obuhangwa bwa Banyankore na Bahororo». Haiku-ähnlich sei es, hypnotisch ist es – und das Schnalzen der Finger von Katokye: ist wohl das lauteste Fingergeräusch, das ich je gehört habe. Wie man das Wort «beautiful» in der Sprache Katokyes wohl schreibt?
Switch over, und probier am Eröffnungsvorabend die Hyperéglacé, serviert mit einem Kartoffelchip, das die Geschmacksrichtung dieser Glace angibt: Aus Häppere sind die Sorte im Minicornet, es schmeckt wie Pommes Chips in flüssig/gekühlter Form. Ein gutes Ice Cream, yes!
Switch over, denn Vinnieragua hat seine Utrechter Warehouse-Komfortzone verlassen und stellt seinen bescheuert schönen Acid Trainer auf die Bühne. Auf dem würde ich auch Gabber trainieren (und im Keller bleiben, unbedingt.)
Switch over ins Haus, wenn man denn die Warteschlangen bewältigen kann (denn das Haus hat neu ein Einlasssystem, im Guten aka weniger Enge drin wie im Schlechten aka kein allzu spontanes reinhören und reinschieben mehr). Sisso & Maiko aus Tansania spielen ihre frenetische Singeli-Spielart, die «interlocking, trance-inducing 200 BPM rhythms» entschleunigen sich nie und die Keyboards: hätte ich gerne auch gesehen (und auch länger gehört). Wo das wohl noch hinführte?
Deshalb: noch einmal rüberwechseln, sich neu oder einfach anders einstellen, und wenn möglich nach vorne gehen, denn klar: die Songs von Horsegirl waren natürlich auch weiter hinten zu hören, aber zu sehen, wie die beiden Gitarristinnen und Sängerinnen Penelope Lowenstein und Nora Cheng und die Schlagzeugerin Gigi Reece ihre Indie-Schlurf-Antifolk-DIY-Songs aus- und ineinanderschrauben, zu sehen auch, wie zwischen den Figuren auch herzliche Tänze beginnen und selbst ein introvertiertes Konzert etwas in Bewegung setzen kann: auch das war beautiful. (Und ihre Songs, darunter «Switch Over», auf Platte eh super).
Switch off? Natürlich nicht, denn die Nacht dehnte die Zeitachsen aus, etwa in Sherelles Drum’n’Bass-Footwork-Set und dem Vor-Nachtbus-Set-Teil von DJ Marcelle. Im Kopf immer auch: RLLRLRLLRRLRLRLRLLRLRLR – was für ein schönes Ding.
Bad Bonn Kilbi 2026
Die Bad Bonn Kilbi geht weiter – am Freitag etwa mit Héloïse und einem weiteren Konzert von Katokye am See, mit dem Flutorama, mit Jazz Lambaux, mit JJJJJerome Ellis, mit One Leg One Eye und so vielen mehr. Bis gleich.
splatz.space ist Medienpartner:in der Bad Bonn Kilbi.
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