Zunge, Raclettekäse, Früchte, Sauerkraut, Rösti, Saucisson: all you can eat in Fribourg, für alle, die sich trauen und Appetit darauf haben, brutzelt auf verschiedenen mobilen Öfen, die auf dem Holzschnitzelboden in der B-Stage verkabelt sind neben der Rave-Energie der DJs. Draussen: die dampfenden Felder, die neues Wasser aufzunehmen versuchen. Dahinter: das Club-Haus, das immer da ist im Sonnenschein und im Regen, der in diesen ersten Stunden heavy fällt. Und mich an diesem Abend immerzu reinlockt, so dass die anderen Bühnen am Donnerstag weit zu kurz kommen.
Also los, in den Club zu Sopraterra, und den Flöten an den musikalischen Toren der diesjährigen Bad Bonn Kilbi. Magda Drozd und Nicola Genovese bilden das Duo, und sie spielen ihr Album «Seven Dances to Embrace the Hollow», mit Geige, verschiedenen Flöten, Saxofon und einem sehr kuriosen Saiten(?)instrument. Es ist eine Musik, die jenseits allen Zeiten in seltsamste Zwischenzonen führt, manchmal gurgelt es tief unterirdisch, manchmal tanzt eine mittlelalterliche Gesellschaft vorbei, und manchmal klingt es so traurig wie das letzte Lied der Welt, und es wäre schön so.
Eine Stunde später: Eine wirkliche Hausmusik. Marisa Anderson und Jim White laden zu sich ein, mit Gitarre und Schlagzeug; sie spielen frei und offen, ganz bei sich, zwischen den Folk- und Rock- und Freetraditionen, die immer weiterleben. Und wenn Marisa Anderson jubilierende und gospelhafte Töne in ihrem Instrument findet: dann verdrückt es eine Träne, die auch sagt, wie gut es ist, an diesem Ort zu sein und einen solchen überhaupt zu haben.
Headlining aber an diesem Donnerstag: der grösste und hellste denkbare Regenbogen, was für ein schönes Ding, nachsehbar im www. Da passt der anschliessende Wolkendress von plus44Kaligula – sie singt Hyperspace-Popsongs, sehr kunstvoll, steht in ihren leuchtenden Ringen vor ihrer Lichtmikrofonkonsole, sprengt die Kammer mit Noises, rückt noch näher mit Lagerfeuergitarre, und durchblitzt mit einem Wink, bis zum zurückschrecken. Is this just fantasy, bevor die Clubnacht früh beginnt: mit Naomie Klaus und einem reintanzenden Super-Fun-Set, das irgendwann richtig beginnt, und die Vorfreude auf Chunky und ihr gemeinsames Konzert mit Chris Imler weiter erhöht.
Und Nídia? Fast wollte ich frühzeitig gehen, was meist ein Fehler ist, aber: da passierten immer wieder weitere Verschiebungen (und dieses Gitarrensample!), und es ging immer weiter und weiter. Und draussen: Führten sicher so viele weitere von mir verpasste oder viel zu kurz genommene Wege dazu, um diese Kilbi zu embracen. Immer und immer wieder.
Bad Bonn Kilbi 2025
Die Bad Bonn Kilbi geht weiter, am Freitag mit Chunky, Nídia & Valentina, Devon Rexi oder Crystalmess (und leider verletzungshalber ohne Nala Sinephro, für sie springt Mun Sing ins Programm. Und wer Marisa Anderson und Jim White verpasst haben sollte: Jim White spielt am Freitag «All Hits» mit Guy Picciotto und Collen Burke, Marisa Anderson tritt am Freitag solo im Haus auf.
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