«Music is your safe space», gibt ein Vater seinem Kind weiter, via Sample spät in Frederik Valentins Set. Und mag dieser Safe Space – der im besten Fall alles zulässt und neue Möglichkeiten öffnen kann – auch immerzu bedroht sein vom überbordenden Alltag: Frederik Valentin hat zumindest für sich diesen Raum gefunden, den er in der Nacht zum Samstag mit dem B-Stage-Kilbi-Publikum teilt.
Es ist ein Raum mit hellen Sound-Flächen, die minutenlang erklingen, die den Song suchen und gelegentlich auch finden, die verschwinden oder an den Rändern zerkrümeln, ehe auf einmal: ein einfacher Beat reinhaut, bis zum strahlen, zum weiter in sich reintanzen, zum umarmen vielleicht auch. Zwischen der Programmveröffentlichung und dem Festival ist auch ein von mir ungehörtes Album mit genau dieser Dreamglitchpop-Musik erschienen (Titel «DEDICATED TO MY FATHER WHO FOUGHT AND DEFEATED 1 MILLION YEARS OF HATE AND VIOLENCE»), und ich werde sie anspielen, sobald dieser Raum im Alltag wieder gefährdet ist. Und sowieso gilt: «V.I.P. Is for Everyone» (play it freaking loud).
Einen Raum der Geborgenheit, der immer noch genügend Neugierde und auch Fragilität zulässt und der auch immer wieder neu in Frage gestellt werden kann, bauen Marianna Angel und Yanik Soland – gruppiert um eine Hausminiatur – am Nachmittag im Clubhaus auf. Ihre Sounds kann man beinahe sehen und fühlen (aber von hinten im Raum ist kaum zu sehen, wie sie am Boden eigentlich entstehen), so nahe gehen sie, (Seefeel wäre eigentlich auch ein passender Name).
Raus aus der Geborgenheit, aber immer noch im Haus, denn es gab auch die Lieder der serbischen Künstlerin Svetlana Spajić und ihrem Trio Gordan, mit Geschichten über Liebe und Totschlag, über enttäuschte Träume, hypnotisch roh gespielt, gesungen direkt in die Herzen, und sei es ein für mich sehr fremder «Highlander Song», dem die Troubles auf dem Fusse folgen. (Und ja, es stimmt: wenn ein Notenständer auf der Bühne steht, ist eher kein DJ-Set zu erwarten.)
Immer mehr an diesem zweiten Kilbi-Tag: Ganz draussen, vor allem ganz bei Chunky. Der MC aus Manchester hat vor zwei Jahren sein von mir most played Familienalbum «Somebody’s Child» veröffentlicht, mit dem kopfverdrehenden «Meh» immer mal wieder on repeat. Und zum Glück wird dies auch nach dieser glücklichmachenden Show so weiter gehen. Weil so lustig, so easy, grossherzig und doch: sehr bestimmt war Chunky auf der Bühne und unten im Publikum, dazu sein DJ Metrodome, mit dem man gerne durch Manchester oder andere Orte zotteln würde. So gut, meine unzulänglichen words don’t make it right.
Und wer nun von Horror-Vogelscheuchen geträumt haben sollte: vielleicht schleicht Mun Sing ja auch heute Nacht durch die Maisfelder Düdingens, keep your eyes peeled. Bis gleich.
Bad Bonn Kilbi 2025
Die Bad Bonn Kilbi 2025 endet am Samstag, 6. Samstag, mit Konzerten von der ewigen splatz-Heldin Taimashoe, von Chris Imler & Naomie Klaus, Titanic, Marisa Anderson, Kassie Krut oder Merzbow. Tickets gibts momentan eine Handvoll auf der Resell-Seite, come over.
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