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«Woah, was ist das!»

Disco Doom

Disco Doom!

Was, die gibts noch?

...

Anita: Ich weiss gar nicht genau, wann wir mit dieser Platte angefangen haben.

Gabriele: Es war wahrscheinlich 2015 oder 2016. Wir haben viel mit unseren damaligen Bandmitgliedern Tobi Schramm und Flo Götte Jams gespielt, die wir ganz einfach aufgenommen haben. Wir wollten sehen, was entsteht. Auf Tour gingen wir in dieser Zeit auch immer wieder und da denke nicht mehr ans Aufnehmen. Nach der Tour ist man erstmal erschöpft, muss vielleicht wieder zurück zur Lohnarbeit, und so verschwinden die Gedanken an eine Platte schnell. Nachdem wir mit J&L Defer ein Jahr besetzt waren, buchten wir ein Studio in Frankreich für Disco Doom, aber die Aufnahmen ergaben nichts.

Anita: Einfach ein Studio mieten: das hatten wir schon einmal gemacht, bei «Trux Reverb», die 2010 erschienen ist. Wir haben gedacht, ja, das klappt bestimmt irgendwie, doch das hat es überhaupt nicht. Es war wohl noch nicht der richtige Moment. Schliesslich ging es dann so lange vorwärts und rückwärts und vorwärts, bis wir gemerkt haben: ja, jetzt kommt etwas zustande.

Gabriele: Ich habe für die Aufnahmen im März 2020 Ferien genommen. Und ich dachte: ja, jetzt machen wir es. Doch dann begann die Pandemie. Das demotivierte und blockierte mich, der Gedanken kam auf: eine Platte aufzunehmen bringt doch gar nichts. Wir könnten sie ja eh nicht live spielen. Die zwei Pandemie-Jahre kann man bei mir abziehen, wahrscheinlich bei vielen Leuten. Dazu kam auch noch dieser Druck, von wegen: hei, jetzt ist da diese Pandemie, jetzt haben wir Zeit und die Kreativität müsste doch explodieren und wir müssten 20’000 Platten machen. Aber das war schlicht nicht der Fall.

Wir führen in Aufnahmezeiten sowieso schon fast ein Eremitenleben zwischen Wohnung und Studio, für uns hat sich damals eigentlich nicht soviel geändert. Doch es entstand eine Art Ohnmacht, Lähmung…

Anita: Die Sinnfrage war für mich sehr präsent…

Gabriele: Also arbeiteten wir vor allem 2021 konzentriert an «Mt. Surreal» und im Dezember war das Album fertig. Es passte dann endlich alles – der Aufnahmeprozess, das Schreiben der Texte, und unsere Zusammenarbeit…

Anita: Wir nehmen analog auf und sind deswegen bei den Spuren auf 16 eingeschränkt. Darum nehmen wir Spuren auf, löschen, was nicht passt, nehmen neu auf, ändern wieder Details oder gleich alles und gehen – wenn nötig – auch wieder zum Beginn. Im Verlauf merkten wir, hier kommen wir an einen Ort, der uns interessiert. Oft realisieren wir in dem Moment auch: «oh nein, diese Pilotspur hat einen super Gesang, aber keinen Text…»

...

Anita: Auf «Numerals», das 2014 erschienen ist, hatte es noch recht viele Gitarrensounds, die auch wie Gitarren klingen. Ich spiele immer lange mit dem gleichen Setup an Effekten. Etwa 2018/19 entdeckte ich den Voice Transformer bei Taimashoe, sie hat das Gerät für ihren Gesang verwendet und ich fand diesen Effekt fantastisch. Also habe ich das Gerät gesucht und gefunden, dann aber an meine Gitarre angeschlossen. Mich interessieren derart prozessierte Gitarrensounds momentan viel stärker als die Gitarrensounds, die wie Gitarren tönen. Das fand ich spannend für «Mt. Surreal» . Und du musstest dann auf diese Sounds reagieren, mit deinen Effekten…

Gabriele: Das darf einfach nicht zum Gimmick werden, so von wegen: man muss unbedingt etwas anders machen. Aber wir wollen die Lieder auch dekonstruieren. Der Song «Pic Nic» beispielsweise entstand nur, weil ich beim Bandraum-Aufräumen wieder einmal einen Gitarrenkoffer öffnete und merkte, hier ist eine Gitarre, die ich seit zehn Jahren nicht mehr gespielt habe. Die Saiten waren völlig verrostet, und ich habe begonnen, mit ihr zu spielen. Sie war umgestimmt. Diese Stimmung habe ich seither nicht mehr geändert.

Man vergisst ja oft auch, was man eigentlich alles machen kann. Solche Momente bringen viel Frische ins Spiel. Und ich habe lange nicht gewusst, welche Töne ich da eigentlich spiele, ich wusste nur, wo ich die Töne finde. Später habe ich es dann mal genauer angeschaut, und gemerkt, dass es eigentlich fast ein Traditional ist, im C/F/G-Schema, aber dekonstruiert… Der erste Schritt war zum Glück die anders gestimmte Gitarre, anders wäre der Song wohl nie entstanden. Das unbekannte Tuning, der Rost und das Holz ergaben Töne, die nicht wie üblich klangen. Beim Ausprobieren merkte ich, dass das genau der Sound ist, den ich brauchte.

Für «Mt. Surreal» wollten wir auch, dass die Musik mehr Luft erhält, dass sie viele rhythmische Patterns enthält, die nicht unbedingt das Schlagzeug liefert. Beim Song «Static Bend» ist beispielsweise der Bass das Schlagzeug, während das Schlagzeug permanent ein Solo spielt. So hört sich der Rhythmus ganz anders an: du hörst dir vielleicht erst den Gesang an, dann den Bass und wechselst irgendwann vielleicht zum Schlagzeug… Es ist zuweilen auch ein Wirrwarr. Uns interessiert diese Art von Musikanhören sehr.

Anita: Bei «Mt. Surreal» ist vieles konstruiert, sicher ein Album, das im Studio entstanden ist. Weil wir das nun zu viert live spielen, erhalten die Songs nun eine ganz andere, neue Energie.

«Für uns ist Disco Doom klar eine Band.»

Anita: Vielleicht ist die Platte ab jenem Moment zustande gekommen, als wir gemerkt haben, dass wir auch wieder eine Band beisammen haben. Denn wir waren sicherlich auch länger in einem Loch, weil wir nicht mehr wussten, wie die Band funktionieren wird.

Gabriele: Mit wem spielen wir, wer hat Zeit…

Anita: …und wer hat überhaupt Lust? Mit Mario Kummer und Mathias Vetter haben wir dann bereits während den Aufnahmen wieder regelmässig zu spielen begonnen, und das hatte einen sehr guten Impact. Wir haben diese Platte bestimmt auch abgeschlossen, damit wir als Band wieder Konzerte spielen können.

Gabriele: Matthias und Mario sind auch vertreten auf der Platte.

Anita: Matthias kennen wir von seiner Band Schnitzer und von Mini Minies, wir kennen uns schon lange. Mario kannten wir noch nicht, er spielt bei den Acapulco Stage Divers, De Bris, und bei Kaitum. Wir hatten gehört, dass er bei unserer Mischerin Franziska früher mal nachgefragt hatte, ob Disco Doom einen Schlagzeuger suche. Als wir jetzt einen brauchten, haben wir ihn kontaktiert.

Gabriele: Sie haben beide eine Arbeitsethik, die zu uns passt und beide proben gerne. Das brauchen wir und ist uns wichtig.

Anita: Für uns ist Disco Doom klar eine Band. Im Aufnahmeprozess war es schwierig, die Band zeitweise nur als Vision im Kopf zu haben – vor allem, solange die Band nicht wieder komplett war. Als wir sie wieder komplett hatten, ergaben auch die Aufnahmeprozesse wieder Sinn.

Gabriele: Wir beide sind zwar die treibende Kraft hinter Disco Doom, aber ich bin auch gerne Teamplayer, ich will eine Band haben mit Leuten, die in unserer Vision mitintegriert sind. Und wenn wir Konzerte spielen, will ich, dass man sie als Persönlichkeiten hört, dass sie ihre Charaktere einbringen. Daran und damit arbeiten wir viel.

...

Gabriele: Ich bin mit Bands aufgewachsen. Ich liebe es, ein Teil des Ganzen zu sein – oder auch die treibende kreative Kraft. Genauso will ich überrascht werden, mich rausnehmen können und nur dem zuhören, was passiert. Auch das ist mir sehr wichtig: ein Rad im Ganzen zu sein.

Ich vermisse in letzter Zeit Bands mit komischen Charakteren… Ich möchte Bands sehen, wo vier, fünf komische Leute zusammenkommen, die sich gegenseitig stimulieren. Die müssen nicht unbedingt gut spielen können, das spielt kaum eine Rolle, aber ich will Charaktere erkennen. Das ist vielleicht eine romantische Idee, die ich habe. Ich mag es, wenn beispielsweise der Bassist cool aussieht, auch wenn er nicht gut spielen kann, solch einen Charakter musst du einfach in der Band haben. Es wäre langweilig, wenn du nur mit angemieteten Musiker:innen zusammenspielst, wo du merkst, die machen nur ihren Job.

Ich mag einfach komische Leute.

...

Anita: Wir spielten erstmals in Solothurn zusammen, ohne fixes Projekt.

Gabriele: Das war am 13. November 1991 nach einem Dinosaur Jr. Konzert. Ein Freitag, der 13.

Anita: Oder war es nicht der Samstag, der 14.?

Gabriele: Neinnein, das Konzert war am 12. im Fri-Son, und am Tag darauf spielten wir das erste Mal zusammen. Wir spielten später in den Staaten auf einer Tour mit Dinosaur Jr., ich ging zu J Mascis mit meinem Shirt, das ich damals im Fri-Son gekauft hatte, und fragte ihn, ob er es signieren könne. Er fragte mich, «was soll ich denn schreiben», und ich sagte ihm: «keine Ahnung, vielleicht deinen Namen?» Und er schrieb dann ein winzigkleines J hin.

In Solothurn begannen wir zu dritt, mit Raffaela Chiara am Schlagzeug. Sie war und ist unsere beste Freundin und hat seither auch immer an unseren Covers mitgearbeitet. Recht schnell waren dann aber nur noch wir zwei übrig. Wir haben damals einfach gejammt, gejammt, gejammt – und massenweise Tapes aufgenommen.

Anita: Das ist schon ewig her. Ein fixes Projekt mit einer Öffentlichkeit war dann erst Disco Doom, als wir beide bereits in Zürich lebten. Wir haben die Band zu dritt gestartet und die erste Idee damals war, dass jede:r Songs schreibt und alle spielen alle Instrumente. Aber Reto Vogler, unser erster Schlagzeuger, sagte bald: «hei, ich habe noch eine andere Band». Für ihn wurde es zu kompliziert zu entscheiden, in welche Band er welche Songs bringen wollte, und so entschied er, nur noch Schlagzeug zu spielen. Ab da waren wir für die Melodie zuständig.

...

Gabriele: Wir konnten vor drei Jahren völlig unerwartet mit den Breeders auf Tour. Ich fragte Kim Deal mal, wie sie eigentlich auf uns gestossen sei. Sie sagte, sie habe einfach gegoogelt: «Swiss Band»…

Anita: … «Swiss Indie Rock Band»…

Gabriele: … und dann habe sie unsere Musik angehört und entschieden, die fragen wir an. Kürzlich habe ich darum mal nach «Indie Rock Swiss» oder «Indie Rock Zurich» gegoogelt und…

Anita: … wir sind nicht aufgetaucht?

Gabriele: Nein, natürlich nicht. Ich habe weitere Möglichkeiten ausprobiert, aber wir sind einfach nirgends drin.

Anita: Sie hätte uns eigentlich nicht finden sollen.

Gabriele: Wir haben vielleicht immer ein wenig Glück. Wobei: Glück ist es nicht, es ist Arbeit. Was wir erleben, ist einfach unglaublich schön. Ich denke da auch an unsere Freundschaft mit Built to Spill. Diese begann zufällig: Wir hätten eigentlich für Dinosaur Jr. Im Salzhaus Winterthur eröffnen sollen, aber unser Schlagzeuger wollte in die Ferien und wir haben ihn natürlich dafür verflucht. Ein halbes Jahr später sollten dann Built to Spill auftreten, und wir haben Michi Breitschmid gefragt, ob wir da nun als Supportband spielen könnten. Er sagte: «klar», und durch dieses Konzert hat sich alles geändert. Mit Dinosaur Jr. wäre das wohl nicht passiert.

Wir verkaufen nicht Millionen, aber wir haben Abenteuer erlebt. Wir merkten später auch, dass wir Ja gesagt haben zu all dem – mit allen Konsequenzen.

Anita: Es ist definitiv nicht Glück. Glück war nur, dass Built to Spill auf ihrer Tour damals nur schlechte Vorbands spielen hörten. Und endlich war da eine Band, die in einem ähnlichen musikalischen Kosmos spielte. Als sie uns hörten, hat sie das gefreut, und sie meinten: «Wenn wir wieder nach Europa kommen, fragen wir euch für die ganze Tour».

Gabriele: Wir dachten erst, jaja, blablabla, aber Doug Martsch meldete sich tatsächlich. Und noch später schrieb er uns: «Wollt ihr nach Amerika?» Ja, klar! Es ist wohl kein Zufall, dass Doug Martsch oder The Breeders auf uns aufmerksam wurden – und nicht eine Band wie die Foo Fighters.

Anita: Mit den Breeders waren wir drei Wochen in Europa unterwegs. Sie mussten jeden Abend ihre Hits wie etwa «Cannonball» spielen. Da habe ich gemerkt, das könnte ich nicht. Dadurch, dass wir höchstens als Geheimtipp gelten oder einfach unbekannt sind, können wir frei entscheiden, welche Songs wir jeweils spielen wollen.  Bei uns sagt niemand: «hei, die haben ‹das› oder ‹jenes› nicht gespielt, so ein schlechtes Konzert…» Zwar goutiert das Publikum auch unbekannteres Material bei Bands wie den Breeders, aber erst bei den bekannten Songs reagieren sie wirklich euphorisch. Diese Bands machen einen wirklich harten Job, denn sie müssen allabendlich liefern. Ich bin froh, dass wir wirklich immer spielen können, worauf wir Lust haben. Genau das hält es für mich auch lebendig.

Gabriele: Ich liebe Indierock und ich liebe es, Indierock zu spielen, auch wenn ich weiss, okay, das tönt jetzt nach Pavement, nach Guided by Voices, Sebadoh oder so, für mich ist es der Sound meiner Generation. Aber ich merke auch, wie gut es ist, dass Anita da ist, die sagt: nein, komm, wir machen das nicht. Wir suchen weiter.

...

Gabriele: Unser erstes Album «Dream Electric» war verbunden mit einer riesigen Tour durch Europa und die USA, mit über hundert Konzerten und wir haben oft diese Lieder gespielt. Das Nachfolgealbum «Trux Reverb» war dann quasi das «Nein». Das hat uns befreit. Wir mussten nichts mehr.

Anita: Mir war nicht bewusst, dass wir mit «Trux Reverb» eine «Nein»-Platte gemacht hätten. Für mich haben wir einfach das genommen, was um uns herum war. Auch damals spielte ein Effektgerät eine wichtige Rolle für den Sound. Oftmals können Geräte etwas Neues in die Musik reinbringen. Damals hattest du auf einmal diesen Gitarrensound, es war wie «woah, was ist das!»

Gabriele: Plötzlich war dieser Ton da.

Anita: Im Anschluss an die 3-monatige US-Tour reisten wir noch zwei Monate durchs Land, und hatten in Seattle Zeit in einem grossen Studio gebucht. Dort wussten wir: jetzt müssten wir irgendwas erschaffen. Aber wir hatten nur einen Song und diesen Sound, der uns faszinierte. Wir holten Jason Albertini ab, der Schlagzeug spielen sollte und hätten einen Tag Zeit zum Proben gehabt. Aber wir haben nur lange miteinander geredet und gingen so ins Studio. Und alle haben aufeinander reagiert und es hat geklappt. «Trux Reverb» war einfach, was dabei herausgekommen ist. Es war kein Stinkefinger gegen irgendwas, wir hätten ein Album wie «Dream Electric» wohl gar nicht reproduzieren können und es hat uns auch nicht interessiert. Oder jedenfalls mich nicht.

Gabriele: Die Zeit hätte dazu auch gar nicht gereicht.

Anita: Es hätte auch nicht gepasst. Wir haben erst danach gemerkt, was ein Album wie «Trux Reverb» in dieser Abfolge bedeutet. Oder bedeuten kann. Leute sagten: «Hey, spinnt ihr». Oder: «ihr habt jetzt gerade eure Karriere zerstört». Oder: «das langweiligste Album ever». Ich hatte während den Aufnahmen dieser Platte auch mal eine Krise, fragte mich, was wir da am machen sind, was das werden soll.

Gabriele: Für uns war «Trux Reverb» gut, es hat sich vieles verändert. Wir merkten, dass wir nicht mehr unbedingt Songs oder Indierock spielen wollen oder müssen. Und wir spürten, dass wir mit diesem Album etwas durchbrochen haben.

Anita: Auch für unsere musikalische Freiheit war es wichtig. «Trux Reverb» war nicht geplant, sondern ist intuitiv geschehen. Es war der Weg, wie er für uns stimmt. Es fühlt sich für mich nicht so an, als ob wir einen Fehler gemacht hätten. Ich mag «Trux Reverb» sehr und ich bin froh, dass es sie gibt.

«Wir haben bis heute die Gitarren behalten – bis jetzt. Vielleicht fallen die dann auch noch weg.»

Gabriele: Wir stehen an einem Punkt, wo wir stehen wollen. Und an einem Punkt, der uns wohl auch zusteht. Was heisst schon Erfolg? Für mich bedeutet Erfolg, eingeladen zu werden, in Frankreich, Deutschland, oder in die USA deine Musik zu präsentieren, weil die Leute sie schätzen.

Anita: Was Disco Doom für mich spannend hält, ist, dass wir immer weitergehen. Nach «Trux Reverb» haben wir das Album «Numerals» aufgenommen, das wieder völlig anders klingt. Und jetzt kommt «Mt. Surreal», nochmals ganz anders. Auf dem Weg weiterzugehen, und irgendwo hinzugelangen ist noch immer spannend. Bandmusik, vor allem Gitarrenmusik, ist doch recht langweilig geworden, finde ich, und es gibt gute Gründe, weshalb sich viele gar nicht mehr so dafür interessieren, denn so viel passiert da momentan nicht. Aber auch in diesem Feld andere Wege auszuprobieren, das mache ich enorm gern.

Gabriele: Wir versuchen immer auch, einen schönen Song zu machen, sogar im Lärm drin. Aber es stimmt schon auch, dass wir seit einigen Jahren selber kaum mehr Indierock hören. Und wenn ich dann doch wieder mal Indierock auflege, denke ich: Ah Pavement, schon schön.

Anita: Wir haben bis heute die Gitarren behalten – bis jetzt. Vielleicht fallen die dann auch noch weg. Und vielleicht ists dann statt einer Gitarre einfach eine Beat-Station.

...

Gabriele: Manchmal habe ich den Wunsch, ein normales, einfaches und gutes Lied zu schreiben, einfach eine Gitarre aufzunehmen. Und an einem anderen Tag habe ich Spass beim Suchen.

Anita: Meine Reaktion auf aufgenommene Spuren von Gabri ist meist nicht, das zu unterstützen, was schon festgehalten ist. Ich nehme viel öfter eine andere Position ein, denke mir: Okay, das klingt jetzt so, ich will dem eine ganz andere Stimmung hinzufügen, wodurch es für uns oft unerwartet klingt. Als zweite Person auf Bestehendes reagieren zu können, ermöglicht es, es auseinanderzudehnen. Ich reagiere intuitiv, aber oft nicht so, wie man es erwarten könnte.

Gabriele: Wir können blind zusammen spielen. Wir sprechen manchmal durch das Spielen, das ist sehr schön. Natürlich ist es für andere Personen nicht immer einfach, da reinzukommen. Wie wir funktionieren, wie wir kommunizieren, wir sind ja auch ein Paar…

Anita: Wenn wir ein musiktheoretisches Gespräch führen müssten, hätten wir kein grosses Vokabular. Wir haben andere Beschreibungen entwickelt, eine andere Sprache. Wenn Leute mit uns zu spielen beginnen, lernen sie sehr bald unsere Sprache kennen, wie wir über Musik und Songs reden.

Gabriele: Beim Aufnehmen sprechen wir zum Beispiel nicht unbedingt über Töne oder Harmonien, sondern eher über Farben. Das Wort Querschläger war bei «Mt. Surreal» wichtig. Ich zitiere beim Musizieren eher irgendwas aus der Musikgeschichte. Und ich denke, das ist gut. Anita zerstört es dann öfters, und das ist auch richtig so. Wir ergänzen uns da sehr gut. Wenn ich nicht mit Anita arbeiten würde, würde ich vielleicht wie Guns’n’Roses – aber in schlecht – klingen. Und wenn ich nicht da wäre, dann würde sie vielleicht Art Noise spielen. Solche Reibungen sind uns wichtig beim Spielen. Und beim Bandsein, wenn dann noch mehr Leute involviert sind, ist das umso besser.

...

Anita: Wir können uns vorstellen, zukünftig auch einzelne Songs auf Bandcamp zu veröffentlichen. Es ist bestimmt nicht unser Ziel, derart lange Veröffentlichungsintervalle zu haben. Es wäre auch schön, in kurzer Zeit mehrere Stücke herauszugeben. «Mt. Surreal» war aber klar als Album gedacht.

Gabriele: Ja, auch dieses lange Warten auf Vinyl. Deshalb ist eine Plattform wie Bandcamp perfekt. Du machst deine Basement Tapes Vol. 1 oder irgendwas, gestaltest das Cover, und dann gehts raus. Ich mag nicht mehr lange warten. Lieber der lebendige, kreative Prozess.

Anita: Vielleicht ist «Mt. Surreal» ja unser letztes Album auf diese Art.

...

Gabriele: Musik ist für mich manchmal wie Vitamin C. Wenn es mir nicht gut geht, lege ich vielleicht «Comes a Time» von Neil Young auf, höre «Lotta Love», dann gehts mir schon etwas besser. Ich will nicht sagen, dass Musik die Welt verändert. Aber Musik tut mir gut.

Über was reden wir da?

 

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  • unterwegs sein
  • «löiä»

 

«Mt. Surreal» erscheint am Freitag, 16. September.
Plattentaufe: 24.9., Kunstraum Walcheturm, Zürich (Support: Leoni Leoni)

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