Diese Songs habe ich nicht gefunden, eher sind sie zu mir gekommen.
Meistens beginnt es mit einer Improvisation, ich spiele irgendetwas, singe «gibberish» dazu, und manchmal verfestigt sich etwas, höre Sätze raus und dann schreibe ich den Rest um all das herum. So springen die Songs hin und her, ich versuche dann auch, etwas Surreales reinzubringen.
Mit den ersten Songs der EP habe ich in Bern begonnen, in einem Kellerraum, der gleich neben jenem von Züri West war. Jeder Song hat aber eine andere Herkunft und entstand in einem anderen Setting, einem anderen Raum. «Stacy» entstand in Schliern im Atelier, das ich jetzt habe. Ich fand diese Hook, spielte rum, und ich habe mir erst danach überlegt, wer diese Stacy denn sein könnte. Die Geschichte wurde konstruierter als gewohnt, ich habe mir noch mehr überlegt als üblich. Und so entstand die Idee dieser Geisterfreundin, die da ist und gleichzeitig auch nicht, und weg geht und wieder kommt.
Ich studierte Sound Arts in Bern, in einem Fach haben wir Filmmusik analysiert und versucht, selber zu komponieren. Wir schauten uns «Spiel mir das Lied vom Tod» an, alle Figuren haben eine Art Thema. Ich musste mich mit Cheyenne befassen, das ist der gute Cowboy, und hat ein cooles Thema. Ich habe das auch probiert, und aus dem heraus ist die Bridge von «Wasteland» entstanden, das wüstenmässige, das auf textlicher und klanglicher Ebene zu finden ist.
Songs zu schreiben ist das, was ich am besten kann. Das Experimentelle ist für mich zwar mega schön zum spielen und hören, aber ich halte es dann manchmal nicht so lange aus. Und dann will ich einfach einen Song machen.
Im Live-Kontext versuche ich, mehr Zeit zu lassen, in der Entwicklung der Songs zum Beispiel, aber es zieht mich dann doch wieder zu Strukturen hin.
Eine Schreibroutine gibt es bei mir nicht. Doch ich habe das Gefühl: Vormittag ist der Moment. Ich bin sehr gerne daheim bis am Mittag, der Morgen ist meins. Im letzten Herbst – ich war da für eine Residenz in Paris – konnte ich jeden Morgen schreiben, das war mega cool, da ich keine Termine hatte. Und jetzt schleicht sich der Alltag wieder rein. Ich merke auch, dass ich unzufrieden werde, wenn ich ein paar Tage keine Musik mache – doch ich checke erst später, dass dies damit zusammenhängt, weil ich nicht gespielt habe.
Für die Aufnahmen reisten wir ins Tessin, dort entstanden auch die letzten Songs wie «Garden». Es ging auch darum, selber eine Sicherheit zu finden im Studio. Denn zu wissen, wie es sein und wo es durchgehen soll – und das dann auch noch zu kommunizieren, ist noch einmal etwas ganz anderes. Und das hat alles zum ersten Mal geklappt.
Ich wollte hin zu dieser Traumwelt, die von Folk inspiriert ist, aber eher so postmodern-mässig. Ich mag den Begriff Freakfolk, der auch bei Jessica Pratt angewendet wird, und ich versuche, dass es in diese Richtung geht. Auch mit der Wahrnehmung, den verschobenen Texten – und irgendwann bist du dabei und dann wieder nicht.
Ich habe es lieber, wenn die Ideen von dem kommen, was ich habe und nicht von dem, was mich beeinflusst. Ich mag aber sehr gerne 70er-Jahre-Folksongs, und von dem lasse ich mich beeinflussen. Denn ich habe das Gefühl: von diesen Songs darf ich mich auch beeinflussen lassen, da diese Musik genügend detached ist vom Leben jetzt. Ansonsten habe ich die Regel, dass ich keine Musik hören darf, die weniger als 20 Jahre von jetzt weg ist. «Maya hi» darf ich vielleicht noch hören…
Was ich mag
Fiona Fiasco im WWW: Webseite // Bandcamp // Instagram
Konzerte: 6.6., Palace, St. Gallen (Support für Snuggle); 21.6., Bar Italia Records, Paris; 3.7., Festival du Gibloux, Fribourg; 3.10., Sihlfeld, Zürich
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