Zehn, elf, zwölf Stunden Kilbi, und keine brauchbare Notiz auf dem Telefon. Was war, wie wars? Und spielt es überhaupt eine Rolle? Vielleicht für ein unzuverlässig zurücknotiertes Lied (kein Lied) in versunkenen Zukünften ja schon. Wo dieses beginnen könnte?
Vielleicht im Haus, das dieses Jahr allzu schwer zugänglich für ungeplante Besuche ist, aber der Plan Jazz Lambaux ging auf. Dieser irrsinnige Hyper-Bagpipe-Popcore, performt von der stoischen Dudelsack-Spielerin Enora Morice im schweren Regenmantel und von Jules Cassignol, der den Broken-Rockstar und glückssuchenden Troubadouren mit der Narrenkappe mimt, ist an so vielen Orten anschliessbar, bei den Emo-Netz-Vignetten von Chanel Beads wie bei Conor Obersts frühen Ausbrüchen, man konnte losspringen (weil das «party people»-Sprachsample schon auch im Raum hängen geblieben ist), man konnte auch leiden und lachen bei dieser grossen Faux-Folklore eines Aliens im Aquarium Clubhaus. Bis die Luft ausging.
Wie/wo weiter nach einer derart sinnesüberreizenden Musik? Erst einmal strahlend rumstürcheln, und allmählich Zugang suchen im Ungebrochenen und Ungefilterten. JJJJJerome Ellis erzählt die Geschichte eines eigenen so fraglien Lebens und Überlebens, nicht mit den intimen und erwarteten Vespergesängen, sondern in der Rolle als MC und mit radikaler Offenheit (und leider ohne Beamer für eine zusätzliche Weite und Spiegelung der Text- und Performancedimension.) «I love you», als nicht zu vergessende Endlosschlaufe. (Zum Lesen: ein Porträt, zum Hören: «Vesper Sparrow».)
Und weiter der Zeitachse entlang in die B-Stage, zu One Leg One Eye und ihren ruralen Folk-Drones, die langsam aus den alten Instrumenten und Sprachen und Stimmen raus- und weitergedreht werden. Die gewaltvollen Gewitter und die nächsten Sonnenaufgänge, trotz allem Grimm: sie sind in dieser Musik nachempfindbar und überwältigend, bis zur Fantasy-Wiedergeburtsstimme. Danach: die Party-Hard-Zonen für den Release, und Nachtgestalten wie jene Discopersona, die Lias Saoudi in der funkelnden Kraftwerk-Synth-Tribute-Band Decius gibt. Kaum zu glauben, dass hier zehn elf zwölf Stunden zuvor noch die Flöten und Stimmen der Flutorama-Lieblingsmusiker:innen zu hören waren. Was für ein Anfang.
Die Bad Bonn Kilbi 2026
Schon Schlusstag, ohne Los Thutanaka, dafür aber mit Julius Amber unten am See, mit Raphael Loher zu Beginn im Haus, mit Remo Helfenstein, mit der Kilbi-Band Brennessel, und: mit Milkweed und Microplastics (feat. Aya und Jennifer Walton). splatz-Sticker gibts am Eingang, please support. <3
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