«Ich frage mich, ob Fanta aus Elefant entstanden ist», sagt der Mann vor mir im Zug zur Frau, die neben ihm sitzt. Er spielt mit der halbleeren Flasche in seinen grossen Händen. Wenn der Deckel nicht zu wäre, würde die orange Flüssigkeit überschwappen.
Die Schweizerische Post hat früher mit sogenannten Elefanten Briefe und Pakete verteilt. Solche «Harbilts» sind silbrige Container auf Rädern mit elektrischem Motor und kleinem Paketstapler auf der Hinterseite. Durch die Modernisierung und schnelle zwei- oder dreirädrige Elektromotorräder ist ihr Bestand in der Schweiz auf unter zehn Stück gesunken. In touristischen und autofreien Orten, wo die Häuser eng beieinanderstehen, sind sie manchmal noch im Einsatz.
Monica von «F.R.I.E.N.D.S.» stellt Chandler zur Rede, nachdem sie eine unangenehme Begegnung mit seiner Ex-Freundin hatte: «You broke up with a girl because she was fat?!»
Chandler antwortet, dass es lange her sei und glaubt nicht, dass diese sich noch immer schlecht deswegen fühlt.
«Apparently, she does», antwortet Monica.
«Well, you know what they say, elephants never forget.»
Später fragt ihn Monica, ob er sie auch verlassen wird, wenn sie wieder dicker wird. Und auch, wieviel seine damalige Sommercamp-Freundin denn zugenommen habe. Auf seine Antwort sagt sie empört: «My God, what did she eat, her family?»
«Ach, die hängeds amigs vorem Éléphant bleu», erzählt die kleine Schwester meiner Freundin beim Abendessen. Dort träfen sich die Autotuner:innen von Schaffhausen mit ihren fetten Karren. BMW, Audi und Subaru.
Die Gondelbahn schlingert leicht im Wind, während sie den Berghang herunterbremst. Eine Frau hat den Kopf in den Nacken gelegt, hält ihre Augen fest geschlossen. «Jetzt tu nicht wieder so», sagt der Mann neben ihr. Sie reagiert nicht. «So schwer bist du nun auch wieder nicht», er zwinkert den zwei anderen Passagier:innen zu. «Übrigens ist auch schon ein Elefant heil von A nach B gekommen! Also, der hat’s zwar nicht bis zur Endstation geschafft, weil er vorher hinausgesprungen ist. An Grösse und Gewicht lags also nicht.» Die Frau öffnet die Augen: «Erzähl keinen Scheiss, Peter.»
Meine Mitbewohnerin kommt nach Hause und stellt frustriert eine Schale mit Erdbeeren auf den Küchentisch: «Ich habe zu spät gemerkt, dass es gar keine Schweizer sind.» Ich nehme die Plastikverpackung in die Hand. «Südafrika», lese ich laut und füge hinzu, dass diese vielleicht schon echte Elefanten gesehen haben.
Taylor Swift erzählt in ihrer Netflix-Doku, dass sie stets das Gefühl hat, dass irgendwo noch eine bessere, glitzerndere Version von ihr existiert. Und auch, dass unsere Gesellschaft Frauen in der Unterhaltungsbranche mit 35 auf dem Elefantenfriedhof entsorgen würde. Ich denke an «Lion King», und wie Simba und Nala sich heimlich auf dem Elefantenfriedhof treffen, um den wachsamen Augen der Erwachsenen und Zazu zu entfliehen. Vielleicht ist der Elefantenfriedhof gar keine so schlechte Aussicht: Ein Ort, wo man unbeobachtet und sich selbst sein kann, stelle ich mir ganz entspannt vor.
Was ich mag
Gianna Rovere ist im Luzerner Rottal geboren und aufgewachsen. Nach Bern, Brüssel und Luzern lebt sie aktuell in Zürich. Sie ist Assistenzkuratorin am Museum für Gestaltung in Zürich und freischaffende Kulturjournalistin und Autorin. Ihr Debüt «Episoden von Alltagselefanten» (verlag sechsundzwanzig, 2025) dreht sich um die Verbundenheit von Elefant:innen und Frauen. Aktuell schreibt sie an einem Text über Freundinnenschaft.
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