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«Ich hatte aber einen Block dabei…»

Javier Cáceres

Ich bin in Santiago de Chile in einer Bar namens «Munich» mit Leonel Sánchez zusammengesessen. Er schilderte mir in sehr blühenden Farben und mit sehr viel Detailverliebtheit, wie sein Tor an der WM 1962 gefallen ist. Doch ich konnte es mir nicht so richtig vorstellen. Ich hatte aber einen Block dabei, hab diesen einfach zu ihm rübergeschoben und ihn gebeten, mir doch mal aufzumalen, wie sich diese Situation auf dem Platz dargestellt hat. Lionel Sánchez, der mittlerweile gestorben ist, hat das Tor gezeichnet, ich habe mir das später angeguckt und ich dachte: «Oh, sehr interessant». Wie die Erinnerung im Grunde noch mal intensiver wurde durch diese Beschäftigung mit seinem Werk, wie er darüber reflektiert hat, wie das eigentlich war…

Über die Jahre hinweg habe ich das bei vielen Begegnungen mit anderen Fussballern einfach beibehalten. So kamen immer wieder sehr spannende und interessante Geschichten zum Vorschein. Die Sammlung wurde grösser und grösser, bis sie dann irgendwann gross genug war, um sie einem Verlag anbieten zu können, wie das jetzt passiert ist.

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Die Interviewsituation ist natürlich die ideale Situation für eine solche Zeichnung: jemand nimmt sich ein bisschen Zeit für dich und du kannst das Ende des Gesprächs mit einer sehr persönlichen Erinnerung abrunden. Aber manchmal hat es sich auch ergeben, dass ich Leute im Pressezentrum oder in Hotel-Lobbys, in denen ich bei Turnieren gewartet habe, zufällig getroffen habe. Tatsächlich ist es irgendwann auch so gewesen, dass ich sozusagen auf die Jagd gegangen bin.

Es war selten so, dass ich jetzt explizit jemanden angefragt habe, mir ein Tor aufzumalen, sondern es gab immer einen Kontext, in dem sich das Ganze abgespielt hat – mit einer grossen Ausnahme: Mario Götze, der das WM-Final-Tor von 2014 aufgezeichnet hat. Er hatte von meinem Projekt erfahren und dass ich das abrunden wollte – er fand das spannend und spektakulär. Da war für mich fast schon ein höherer Enthusiasmus dabei.

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Zum Fussball habe ich im Grunde wie jede:r gefunden. Ich bin in Bremen aufgewachsen, habe mit Freunden auf der Strasse und den Wiesen vor der Haustüre gespielt. Später ging ich in einen Verein, landete irgendwann in der Jugendabteilung von Werder Bremen, ohne gross Hoffnungen zu haben, dass ich es bis nach ganz oben schaffe. Ich war allerdings bei einem sehr einschneidenden Erlebnis dabei, nämlich dem Nichttor von Michael Kutzop. Er hat einen Elfmeter gegen die Bayern an den Pfosten gesetzt, der eigentlich den Titel bedeutet hätte, das war 1986.

Zum Journalismus bin ich eher zufällig gekommen. Mein Vater, der noch lebt, hat als Journalist für spanischsprachige Zeitungen und für chilenische Radiosender und Zeitschriften gearbeitet. Ich habe diese Arbeiten immer begleitet, manchmal auch kleinere Hilfsdienste gemacht, Sachen angebahnt und irgendwann kam eins zum anderen. In Studienzeiten wurde das zu einem Nebenjob und schliesslich zu einem Beruf, der über Nachrichtenagenturen zur «Süddeutschen Zeitung» führte.

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Ich habe im Grunde erst für die SZ angefangen, auf Deutsch zu schreiben, das ist in meinem Fall kurios – zuvor arbeitete ich für spanischsprachige Medien, insbesondere für die Nachrichtenagentur EFE und den spanischsprachigen Dienst der DPA. Wie sich meine Sprache entwickelt hat, ist schwierig zu sagen. Es ist nicht so, dass ich spezifisch an meiner Sprache gearbeitet habe.

Eine Kuriosität bei mir ist, dass ich relativ viel mit Wörtern operiere, die wie Fremdwörter wirken. Durch die Zweisprachigkeit hat das bei mir noch mal einen anderen Hintergrund. Im Prozess des Schreibens fallen mir Dinge auf Spanisch ein, die ich niederschreibe, und zu denen es dann eine deutsche Entsprechung gibt. Manchmal, finde ich, passt es ganz gut und manchmal wirkt es wahrscheinlich manieristisch. Dort versuche ich am ehesten, Sachen zu tilgen oder durch «deutsche» Worte zu ersetzen. Ich finde das immer sehr lustig, weil im Endeffekt sind viele «Fremdwörter» ja auch deutsche Wörter, teilweise nur antiquiert. Warum sollte man Altes nicht bewahren?

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Die Nachrichtenagenturen haben mich sehr geprägt: Der Transport von Informationen ist das, was mich am meisten umtreibt. Ich versuche, das Ganze so zu gestalten, dass die Leute informiert werden. Der spanischsprachige Journalismus ist viel angelsächsischer geprägt, kommt viel mehr von der umgekehrten Pyramide, führt vom Wichtigen zum Unwichtigen, mit den klassischen fünf Ws und den Einstiegssätzen und so weiter und so fort. Das ist oftmals sehr sehr hilfreich, so kann man am ehesten vermeiden, etwas Wichtiges zu vergessen – vor allem, wenn man keine Zeit hat.

Man darf ja nicht vergessen, dass man nicht nur als Schreiber, sondern auch als Leser:in keine Zeit zu verlieren hat. Es ist von Bedeutung, dass man mal auf den Punkt kommt. Ich versuchs, aber es gelingt auch nicht immer. Es ist jeden Tag aufs Neue eine Herausforderung, das so zu gestalten.

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Ein Tor ist ein Tor geblieben, und ist weitgehend die Essenz dieses Spiels. Das ist immer so gewesen und wird auch so bleiben. Der Enthusiasmus, der so ein Tor weckt, das ist tatsächlich generationsübergreifend.

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Je mehr Spiele ich besuche, desto schwieriger kriege ich noch zusammen, wo ich überall war und welche wichtigen Tore ich gesehen habe. Ein Tor, das ich nie vergessen werde, obwohl ich es nicht im Stadion gesehen habe, ist das von Maradona 1986 – leider hat sich eine persönliche Begegnung mit ihm nie ergeben. Dieses zweite Tor gegen die Engländer ist ein Tor, das ich ein bisschen mit mir rumtrage.

Könntest du das für uns aufzeichnen?

Das Tor von Maradona? Das wäre ja Frevel, blasphemisch sozusagen.

Das Buch

Javier Cáceres: Tore wie gemalt, Insel Verlag, 2024.

Die Texte von Javier Cáceres erscheinen in der «Süddeutschen Zeitung». Er berichtet derzeit laufend von der EM 2024.

Die Zeichnung zum Beitrag zeigt unsere splatz-Tool-Nachempfindung der Coverzeichnung, die im Original von Pelé stammt. Keine Gotteslästerung beabsichtigt.

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