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Sprechstunde #5:
Glaubst Du an Geister?

Auswärts

Ja, Geister.

...

Wollt ihr nun einfach, dass ich etwas erzähle? Irgendeine Geistergeschichte?

...

Wo sind die Geister heute?

...

Wir müssen den Geistern in dieser Halle zuhören.

...

Von allen guten Geistern besucht.

...

Ich achte in letzter Zeit sehr stark darauf, wann ich ein SMS von einer Person erhalte und wann ich an sie gedacht habe. Wir kennen ja alle so viele Menschen – Freund:innen, Eltern, all die Bekannte – und ein Teil von diesen Menschen ist ja immer bei uns, als Erinnerung oder so, und ist auch Teil von mir, da ich etwas mit diesem Menschen erlebt habe. Aber in letzter Zeit passiert sehr oft, dass ich gerade an diesen Menschen denke und schon wenig später erhalte ich ein Mail oder Telefon oder ein SMS von dieser Person. Und ich denke, dass es da schon eine Connection gibt. War es wegen mir, weil ich an diese Person gedacht habe, dass sie mir etwas geschickt hat? Vielleicht sind das ja meine Geister. Aber nennt man das nun Geister oder nicht – oder ists einfach ein Teil von meinem Erleben? Gibt es da eine Verbindung von diesem Geist zur echten Person? Ich weiss es nicht. Ich bin im Vielleicht – und ich finde das toll.

...

Ich habe sehr oft das Gefühl, dass ich jemanden meinen Namen sagen höre. Und dann drehe ich mich um – und es ist nichts. Oder es sind so Schatten aus dem Augenwinkel. Und wenn man sich dann umdreht, merkt man: ah, das war irgendein Auto, das vorbeigefahren ist, und das Licht hat sich gespiegelt. Das sind sicher so Sachen, aber ich erschrecke immer sehr.

Manchmal ist das super unangenehm, das macht mich nervös.

...

Ja sicher! Sicher, sie existieren.

...

Was ist denn ein Geist? Das ist eher die Frage. Weil ich glaube eigentlich nicht an Geister und doch habe ich Angst davor.

Wenn ich zum Beispiel alleine in der Alphütte bin, dann kann es doch passieren, dass plötzlich etwas Unheimliches da ist. Klar kannst du sagen: «es ist das Unbekannte und vor dem Unbekannten hat man tendenziell Angst». Aber es ist schon eher etwas naturverbundenes, etwas das in der Natur passiert. Wenn du als Kind in den Keller gehst, hast du auch Angst, aber da geht es nicht um Geister, zumindest für mich nicht.

Auf einer anderen Ebene glaube ich vielleicht schon an Geister, aber ich weiss nicht, ob ich dem Geist sagen würde, vielleicht ists eher eine Kraft oder Energie.

...

Geister kann man ja auch mit Vibes übersetzen, oder nicht? Es geht doch um Schwingungen und an das glaube ich sehr stark. Du merkst, wenn du in einen Raum kommst, ob hier etwas Freundliches haust oder einfach schlechte Stimmung ist.

Aber ab wann kann man von Geister sprechen? Eine Ausstrahlung hat ja ein Ort oder ein Mensch immer – und das ist ja noch kein Geist.

...

Ein Geist ist für mich eher etwas Unabhängiges – und nicht wie ein Vibe oder eine Ausstrahlung ein Teil von etwas. Ein Geist ist etwas, das über das hinausgeht, das ansteckend sein kann und einen grösseren Raum einnehmen kann. So von wegen: Ein Geist ist eine Stimmung, die sich ausbreiten kann über andere Menschen. Es gibt ja auch Menschen, die gar nicht im Raum sind, aber du spürst, da ist so eine Anwesenheit.

...

Früher machte mir das Wort Geister Angst. Heute versuche ich, positive Konnotationen zu suchen.

...

Für mich sind Geister eher verbunden mit losgelösten Kräften, die das Reale verlassen. Sie sind wie Vibrationen und Präsenzen, die man nicht wahrnehmen kann mit unseren fünf Sinnen. Aber Geister sind nicht zwangsläufig mit Angst oder Gefahr verbunden – sie machen vielleicht Angst, weil sie unbekannt sind für jene Sinne, mit denen wir zu leben gewohnt sind. Sobald es diesen Rahmen verlässt, kann es Angst machen, weil es neu ist. Angst zu haben von Zeit zu Zeit ist auch gut, denn das bedeutet, dass wir rausgeschmissen werden aus unseren Komfortzonen, aus unseren gewohnten Sinneswahrnehmungen.

...

Ich arbeite für eine Geisterbahn. Wir kreieren einen Parcours, eine Art Labyrinth. Wir laden die Menschen dazu ein, reinzukommen und machen ihnen ein wenig Angst.

Wir haben für diese Geisterbahn auch Kinder befragt zu ihren Ängsten und zu dem, was ihnen Angst macht. Ich erinnere mich noch an meine Ängste, als ich klein war. Und man sieht auch, wie sich die Ängste verändern in den Zeiten und in den Generationen. Die Antworten waren jedenfalls: Monster und Mörder machen Angst, das wars.

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Im Wald spüre ich an gewissen Orten immer wieder: Hier muss ich weg, hier ist es nicht gut.

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Ich war vor langer Zeit einmal spazieren, und ich kam an einem unspektakulären Busch vorbei. Ich hatte irgendwie das Gefühl, dieser Busch sei meine Grossmutter. Es gab irgendeine sehr komische Verbindung zu ihr.

...

Geister haben mich nie interessiert, das finde ich etwas komisches. Aber ich wohnte neben dem Haus meiner Grossmutter. Und immer, wenn ich an diesem Haus vorbeigelaufen bin, selbst wenn ich spät in der Nacht nach Hause gekommen bin, hat sie immer das Fenster geöffnet und nach draussen geschaut. Ich habe sie über alles geliebt.

Mit 95 Jahren ist sie gestorben. Und ich laufe immer noch an diesem Haus vorbei, es steht seit ihrem Tod leer, völlig unerklärlich. Zwischendurch wurde das Haus zwar mal bewohnt von einer ukrainischen Familie, aber das hat nichts verändert. Denn wenn man an der Tür steht, riecht es immer noch nach meiner Grossmutter, und wenn ich vorbeilaufe, spreche ich immer noch mit meiner Grossmutter, obwohl seither so viel passiert ist in meinem Leben. Und ich überlege mir, was sie zu all dem sagen würde – zu meiner Trennung von meinem Partner, zu meinem Buch, das ich geschrieben habe, zu all den anderen Sachen, die ich gemacht habe.

Ich habe nicht das Gefühl, ich höre sie oder sehe sie, aber ich kann sie heranbeamen in meinem Kopf.

Das ist wohl das Geisterigste, was ich an Geschichten zu erzählen habe.

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Alle Infos: www.auawirleben.ch

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