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Urs Rihs:
FREISCHWIMMER

Utopia

Neulich war ich in der Badi und musste lachen. Wie mich der Sprungturm noch immer seltsam erregt. Dreikäsehoch war mir da stets angst und bange vor der obersten Plattform. Später das Imponierenwollen bei gleichzeitigem Erwachen der Komplexe, als gingen sie Hand in Hand. Die ersten Achselhaare eines Gleichaltrigen hatte ich da entdeckt – beim Anstehen auf der Leiter und dem Blick nach oben. Beim Sprungbrett angekommen – unter aller Augen vom Beckenrand – hätte ich kotzen können. So nackt kam ich mir vor in meinem Bubenkörper, der etwa so behaart war wie eine Kartoffel. 
Ich hoffte damals, nie mehr auftauchen zu müssen und erinnere mich, wie ich unter Wasser die Augen aufgerissen hatte. Das Chlor brannte beim ersten Schwimmzug.

...

Neulich ist nur ein alter Mann beim Sprungturm. Es ist Morgenfrüh und er lässt sich vom Zehnmeter fallen. Er fällt wie eine Schaufensterpuppe. Beim Eintauchen hör ich es klatschen wie das Zerschlagen eines Strausseneis auf Gartenplatten. 
«Die Nase halte ich mir extra nicht zu», entgegnet er mir beim Aussteigen und zottelt danach zur Dusche beim Fussbecken, wo er sich – nicht mehr gerade erstaunlich und trotzdem ungewöhnlich – genüsslich die volle Brause ins Gesicht schiessen lässt. 
Ich lache wieder und wende den Blick der Badiwiese zu. Auf der Suche nach einem knieweichen Flecken im Schatten der Sträucher mit Kleebett für unter mein Badetuch.

...

Ich liebe die grosse Liegewiese – obwohl ich am liebsten am Rand liege. Abseits. Von dort guck ich wie durch einen Türspalt auf das Treiben und werde eingesogen. Oder werde zur Sattelitenschüssel für Bilder, die mich Spazierenführen, wenn ich die Augen schliesse. 
Von unter den Büschen meldet sich der Muff von Robidog und Pisse an und von der Wiese her eine Wolke Parisienne-Indoorgras mit Kokosmilch. Daylong und saurer Schweiss. «Jebem ti majku,», «säuber dini Mueteer Autee», oder ein Vater zu seinem Sohn: «Verzeusch mau wider nume Scheiss.» Je nachdem wie der Wind steht, selten geworden, wenn auch nicht ausgestorben – Grüfnisch. «Hinifier binifin inifich danafahenefeim.»

Hier bin ich daheim. So eine Badiwiese meldet Anspruch an, heute das Rütli zu sein:
«Wir wollen sein ein vermischtes Volk von mindestens Brüdern und Schwestern, in keiner Not uns trennen und Gefahr. Wir wollen frei sein. Wie die Nomaden waren, eher den Tod, als in der Knechtschaft leben. Wir wollen trauen auf keinen Staat weder dem höchsten Gott, sondern uns fürchten vor der eigenen Übermacht und Ohnmacht fremder Menschen. Und Inschallah fällt morgen die Predigt aus»

...

Es ist erst Vormittag – aus dem Schoss der Badi hinaus, in den sie uns für den Sommer bettet. Plagt mich der Verdacht, schnell wieder auf den Hund zu kommen. Wer stimmte denn nicht gerne ein in diese kollektive Fantasie. Alle Farben und Formen, United Colors of Benetton. Und beim Badibeizli hört man bisweilen auch in der Stadt wieder Ländler. Und da stehen wir dann sogar gerne an, obwohl kein Teufel weiss, wie lange es dauern wird – schlimmer als an einer Busstation ohne Uhr, aber alle bei bester Laune. Der Verdacht erhärtet sich. Ein versteckter Gewinn der mir zuwinkt, artverwandt dem faulen Stolz, nicht bloss Freund:innen zu haben mit Alpenhintergrund. Im Windschatten einer Kulisse bewaffnet mit dem guten Gewissen. SUHLEN heisst das Verb: ich suhle, du suhlst, sie suhlt, wir suhlen uns (in der Badi) – also sind wir. Ich nehm’s beim Wort und auch beim Hund. In der Badi ausgeschlossen, aber jetzt wünschte ich ihn mir hier, mit der Schnauze im fremden Dreck. Sich im Exkrement des Anderen freudig selbsterkennend. Oder für den Menschen eine Lektion – als Gefährten-Tier des Hundes – die Erlösung steckt in der Selbstbesudelung. Die Freiheit der Schweine liegt auf der Allmend. Kontrolle abgeben als emanzipatorische Praxis und auch Verantwortung.

Ich bin kein armes Schwein, ich bin ein glückliches. Unrein ist der Mensch im Anfang. Geboren in einer schauderhaften Sauce.

...

Neulich ist jetzt: pralle Mittagssonne, vor mir essen drei Kinder eine Schüssel Pommes mit Ketchup und Mayo. Sie halten die Frittes in der Mitte und falten sie in ihren kleinen Schlund. Selig wie alles tropft und verschmiert. Das gönn ich mir auch und kipp dann plötzlich um, unter dem Gewicht einer Lastwagenladung Duvetdecken.

Sekundenschlafdruck wie beim Auto- oder Zugfahren – so einfach muss Erfrieren sein. Und traumlos der Schlaf die schönste Zeit, frei von Täuschungsmanöver, oder der grösste Trugschluss. Ruhe. Bis zum Punkt da mich die Sonne wieder am Kopf trifft, scheinheilig an den Pappeln vorbeigefahren die alte Heliumkugel und hat mich jetzt im Visier. Und provoziert ein trotziges Erwachen, das mich sofort ans Wasser treibt.

«Schau mal Mami, wenn ich so im Wasser liege, dann stell ich mir vor, ich trage die ganze Erde wie ein Kleid.» «Schön Philemon, aber wir sind eigentlich da zum Schwimmenlernen, das haben wir so abgemacht.» Ich kenne dieses Wir, denke ich – hüte dich vor diesem Wir, lieber Philemon. Es frisst seine eigenen Kinder. Aber die Erde im Wasser als Kleid tragen, das stehle ich dir schon jetzt.

...

Nahaufnahme: das Uferlos einer Wasseroberfläche, quecksilbern und blau, schillernd, wie das Fliegen der fliegenden Fische. Die Kamera rückt weiter weg, Vogelperspektive, das Kind kommt ins Bild – eine einsame Angelegenheit. Totale: von oben sehen wir jetzt die ganze Badeanlage; ameisengleich das Wimmeln im Becken und ringsherum. Das Bild dreht sich – das Kind mit winzigen Pupillen im Zentrum. In Berührung. Körper, Wasser, im Fluss der Dinge, Interface – nicht metaphorisch, aber praktisch verbunden mit der Welt. Das Bild dreht sich schneller und alles verschmiert, Schlieren erst und dann plötzlich, schneller, Pixel und der Riss. Stille. Der Titel wird eingeblendet:

FREISCHWIMMER

Besser gefiele mir: vom Verschwimmen.

Was ich mag:

  • alte Frotteetücher
  • frischgesprudeltes Mineralwasser (dass man davon fast weinen muss)
  • frische Socken
  • frische Kräuter
    und Calzone

 

Urs Rihs ist Autor ist Veranstalter ist Radiobetreiber ist DJ ist xy (choose your own adventure). Kurz, fast überall anzutreffen, im Weinberg wie im Weyerli.

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KLUB ANYWAY

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1. Juni
Bad Bonn Kilbi 2024

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31. Mai
Bad Bonn Kilbi 2024

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30. Mai
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Crème solaire

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Sina Egli: 6:51:32

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«Ich will so frei wie möglich Düfte kreieren»

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¡Bad Bonn Kilbi 2024!

Utopia

Saskia Winkelmann:
ich bin weniger als 1 Kilometer von mir entfernt

Martin Oesch

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es ewig machen»

Cruise Ship Misery

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Rebecca Salvadori

«Du musst sehr, sehr, sehr romantisch sein»

Christoph Küng

«Wir haben eine Idee und dann machen wir es»

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dass man den eigentlichen Job kündigen könnte»

Sebastian Steffen

«Es soll doch um Existenzielles gehen»

Hörstation

Time Is Away: «Searchlight Moonbeam»

Salomé Mooij

«Das war mein Abschlussstück, hahaha»

Forcefield Records

«Wir sind jetzt da»

Rainy Miller

«Das ist pure Katharsis»

Shusha Niederberger

«Jetzt haben wir die Cloud
und alles ist magic magic»

Deine Freunde

«Wir haben auch ganz viel Spass daran, albern zu sein»

David Toop

«Wir reden zu wenig über das Zuhören»

Fiona Schreier

«Eigentlich ist es recht schlimm,
wenn du immer
ernstgenommen wirst»

Utopia

Noemi Somalvico:
DRITTER BRIEF
Aus der Reihe «Wagnis Wirklichkeit»

Daniela Ruocco

«Der Wischmopp, that’s the shit!»

Mara Züst

«Menschen kennen verschiedene Varianten von mir. Eine davon ist, ‹die mit der Bibliothek›»

Hörstation

Tirzah: trip9love…???

David Koch

«Wenn ich das schaffe,
bin ich ein paar Tage wie high»

Auswärts

Dawuna @ Aether
Dampfzentrale Bern

Karen Moser

«Es gibt Tage, an denen plötzlich Ameisen
aus den Wänden krabbeln»

Johanna Widmer

«Dann wird es vielleicht
auch wieder genauer angeschaut»

Laurence Felber

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wir hätten etwas Neues entdeckt!»

Utopia

Noemi Somalvico:
Was ist heute bei dir passiert

Auswärts

3. Juni
Bad Bonn Kilbi 2023

Auswärts

2. Juni
Bad Bonn Kilbi 2023

Auswärts

1. Juni,
Bad Bonn Kilbi 2023

Odd Beholder & Long Tall Jefferson

«Komm, jetzt machen wir das einfach»

Auswärts

Sprechstunde #11:
Wie nimmst Du Abschied?

Auswärts

Sprechstunde #10:
Hast Du Fragen?

Auswärts

Sprechstunde #9:
How Do You Do?

Auswärts

Sprechstunde #8:
Was war heute anders?

Auswärts

Sprechstunde #7:
Wann strahlst Du?

Auswärts

Sprechstunde #6:
Wie streitest Du?

Auswärts

Sprechstunde #5:
Glaubst Du an Geister?

Auswärts

Sprechstunde #4:
Wann bist Du müde?

Auswärts

Sprechstunde #3:
Was feierst Du?

Auswärts

Sprechstunde #2:
Was möchtest Du?

Auswärts

Sprechstunde #1:
Warum bist Du hier?

Feste

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Utopia

Michal Steinemann:
Bärlauch

Hörstation

Rat Heart Ensemble:
Northern Luv Songs 4 Wen Ur Life's a Mess

Auswärts

Zollyphon
Zollikofen

Dominic Oppliger

«Wie schreibe ich das aber auf?»

Auswärts

Quings
akku Kunstplattform

Les Reines Prochaines

«Das Kollektiv ist eine
fantastische Arbeitsform»

Hörstation

BlauBlau Records:
What We Talk About When We Talk About Love

Valentina Magaletti

«Ich wäre lieber eine
Geschichtenerzählerin»

Rozi Plain

«Du findest raus, wie die Songs werden,
indem du sie machst»

BlauBlau Records

«Es ist eine Art Überfall,
den wir gewagt haben»

Still House Plants

«Playfighting»

Ana & Tina Odermatt

«Alles nur Essen»

Jiří Makovec

«Darum mache ich
ja das Bild»

Auswärts

Le Guess Who?
Utrecht

Auswärts

Lucrecia Dalt
Bad Bonn

Fabian Mösch

«Jetzt ist es ein Töffli geworden»

Feste

Fest #2

Utopia

Martin Schick:
Im eigenen Schlund

Eva-Maria Bertschy

«Das Hauptprinzip ist
das radikale Teilen»

Disco Doom

«Woah, was ist das!»

Tine Melzer

«Einmal habe ich vor
lauter Wut auf jemanden
ein Buch gemacht»

Utopia

Sarah Elena Müller:
Anthropomorph gut gemeint

Feste

Souper Collectif
«Extra Muros»

The Space Lady

«Keep it simple»

Prix Garanti

«Wir machen uns keinen Stress»

Adrienne Krysl

«Es geht um Möglichkeiten zum Mitbestimmen»

Coby Sey

«Musik ist kein
Take-Take-Take-Ding»

Brian Chippendale

«Das ist meine Art der Meditation»

Auswärts

5. Juni,
Bad Bonn Kilbi 2022

Auswärts

Curl,
Bad Bonn Kilbi 2022

Auswärts

3. Juni,
Bad Bonn Kilbi 2022

Leoni Leoni

«Es passt einfach,
und es ist einfach gut,
wie es ist»

Alabaster DePlume

«Geht aus dem Weg»

Feste

Hot Hot Hot GmbH:
splatz.sprudel

Utopia

Daniela Weinmann:
träumen, starkes Verb

Ariane Koch

«Schreiben ist bei mir immer
mit einer Lust verbunden»

Elischa Heller

«Der Körper, das Körperliche sind
mir schlicht zu wichtig»

Taimashoe

«Man sollte aufhören, sich immer
auf den Schwanz zu stehen»

Feste

Logbuch

Utopia

!splatz.space!

Feste

Fest #1