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«Wir haben eine Idee und dann machen wir es»

Christoph Küng

Das Kulturhaus Royal gibt es seit 2011 und wurde von der ersten Betriebsgruppe bis 2017 geführt. Fürs Royal 2.0 fand sich dann eine ziemlich heterogene Gruppe zusammen. Es gab damals keine ganz klare Idee oder Vision, was kulturell auf die Beine gestellt werden soll und es gab auch noch keine kollektive Arbeitserfahrung als Gruppe. Unser erklärtes Ziel war es, dieses Haus weiterhin vor dem Abriss zu bewahren. Als Zwischennutzung. Als Kulturort für und in Baden. Damals waren wir neun Personen. Heute sind wir 15 Menschen, die das machen. Alle in der Gruppe haben klare Aufgaben, aber alle haben mehrere Aufgaben und gewisse werden auch von mehreren Personen geteilt. Manchmal funkt eine Person einer anderen auch mal ein bisschen rein.

Wir hatten in der Vergangenheit viele Diskussionen über Kollektiv oder nicht Kollektiv oder was wir überhaupt sind, welche Organisationsstruktur uns entspricht und welche wir leben. Was wir sicher wissen: wir sind ein gemeinnütziger Verein, der das Royal als vielfältigen Kulturort betreibt. Wir sagen nicht, dass wir ein Kollektiv sind – wir sind eine Betriebsgruppe von fünfzehn Personen. Und die plaudert und diskutiert viel unter- und miteinander.

Wenn man überhaupt Hierarchie sagen kann, haben wir eine extrem flache. Also zumindest von der Organisation her. Was das Wissen – das Erfahrungswissen, das Betriebliche – angeht, ist es klar, dass es eine Hierarchie gibt. Und die gilt es immer wieder zu durchbrechen. Uns ist wichtig, dass ein steter Wissenstransfer von den Erfahrenen zu den Nicht-so-Erfahrenen stattfindet. Bei einem gemeinschaftlich geführten Betrieb ist es wichtig, dass er allen gleich fest oder gleich wenig gehört. Das muss gepflegt werden.

In den Umbautagen im Januar 2024 ertappte ich mich immer wieder beim Gedanken «Ach, was diskutieren wir hier?! Das haben wir doch schon immer so gemacht, das klappt doch!» Dabei hat das auch schöne Seiten, wenn du jemandem erklären kannst, welche Stellen im WC mit einer Dispersion und welche mit einem Lack gestrichen werden müssen. Das gehört einfach dazu, zu einem inklusiven Betrieb. Da musst du dir Zeit nehmen und das einer neuen oder noch nicht so erfahrenen Person erklären. Egal wie hektisch drumherum alles ist. Solche Dinge müssen einfach erklärt und vermittelt werden. Dadurch geschieht Wissenstransfer und so erreichen wir Inklusion – ohne wohlklingendes Konzept und auch ohne das Ganze an die grosse Glocke zu hängen.

Einmal pro Monat haben wir Betriebsgruppensitzung und unterdessen haben wir gelernt, dass es Sinn macht, diese Sitzung relativ strukturiert zu planen und zu führen. Denn auch wir sind sehr gut darin, ausufernd zu diskutieren. Jetzt bereiten wir besser vor – zum Beispiel müssen alle anmelden, wie lange ihre Traktanden ungefähr brauchen. So diskutieren wir meistens zwei bis zweieinhalb Stunden, würde ich sagen. Kann ein grösseres Thema nicht ausdiskutiert werden, müssen wir es auf die Retraite im Sommer verschieben. Ist zwar immer ein schwacher Move, das Verschieben, aber manchmal braucht es einfach mehr Zeit. Gibt es einfach.

Manchmal können wir auch nicht verschieben und müssen uns in einer Sitzung entscheiden, weil eine Frage drängt. Dann müssen noch einmal die Fakten zu der Frage, der Situation oder einem Missverständnis dargelegt werden, damit wir zu einem Punkt kommen können. Und ist kein Konsens möglich, sind auch wir auf demokratische Wege angewiesen. Jedoch mit sehr viel Empathie für die anderen Meinungen. Geht natürlich auch nicht immer und klingt jetzt viel einfacher, als es manchmal ist.

Und natürlich – einige von uns finden sich immer in denselben Rollen wieder. Bei uns menschelt es halt auch, ist ja klar. Das ist auch gar nicht nur negativ. Wir kennen uns untereinander gut und können ungefähr einschätzen, wie Person x auf Thema y reagieren könnte.

...

Ebenfalls einmal im Monat, 14-täglich alternierend zur Betriebsgruppensitzung, findet die Programmgruppensitzung statt. Da wird vor allem das Programm geplant, aber auch über andere Dinge ausgetauscht. Das ist etwas, das das Royal ein bisschen von anderen Kulturorten unterscheidet: bei uns sind es nicht eine oder zwei Personen, die das Programm machen, sondern eine ganze Gruppe von neun Personen! Diese Neun sitzen auch alle in der Betriebsgruppe ein. Es ist uns wichtig, dass alle, die das Royal mitgestalten, auch nahe am Betrieb sind.

In Sachen Programm haben wir die Abmachung, dass nicht alle mit allem einverstanden sein müssen. Es geht uns wirklich darum, dass verschiedene Personen unterschiedliche Genres, Geschmäcker und Ideen einbringen können. Nur so kann das Royal, in dieser Kleinstadt, ein Ort für möglichst viele Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen sein. Dafür ist es ein bisschen weniger ein Hochkulturtempel, wo die Acts von Übermorgen spielen. Wobei wir die manchmal auch haben, haha. Nicht alle Programmgruppenmitglieder haben Lust auf dieses Musikbusiness-Game. Was uns allen aber wichtig ist: dass alle Künstler:innen okay bezahlt werden und dass das Royal ein diverses und vielfältiges Programm bietet.

Das Royal soll immer ein Ort sein, wo man etwas ausprobieren kann. Das hat eine Priorität. Ausprobieren kann bedeuten, mal über die eigenen Grenzen zu gehen oder auch etwas zu hinterfragen. Oder auch mal ein bisschen nachgeben. Da braucht es Bewusstsein, dass wir in einem Team arbeiten, wo nicht immer alle gleicher Meinung sein können. Dass man sich auch mal missversteht ist klar, aber es setzt einfach voraus, dass man auch mal anderen Menschen oder Ideen nachgibt – oder sich von einer anderen Position überzeugen lässt.

...

Ein Grossteil der Betriebsgruppe ist festangestellt. In den Arbeitsverträgen steht unter anderem aber auch drin, dass alle Sitzungen ehrenamtlich sind. Oder dass die Hälfte unserer Pensen noch zusätzlich geleistet werden sollte. Das heisst, wenn du 10 Prozent angestellt bist, wird von dir erwartet, dass du 15 Prozent arbeitest. Meistens ist es eh so, dass du mehr vor Ort bist, als dein Pensum verlangen würde. Und das passt den meisten auch so. Sollte jemand mal einen finanziellen Engpass haben, so schauen wir in der Regel, dass diese Person temporär etwas mehr arbeiten und verdienen kann.

Die Arbeit an der Bar, am Eingang und am Lichtpult ist ehrenamtlich. Tontechnik ist bezahlt und Teil der Betriebsgruppe. Menschen, die Abendleitungen (AL) machen, sind meistens von der Betriebsgruppe und auch bezahlt. Es gibt ein paar, die das ehrenamtlich machen wollen.

Andere können aus familiären oder persönlichen Gründe keine ALs mehr machen. Das ist auch völlig okay. Die Schwierigkeit, Privatleben und Nachtleben zu koordinieren, ist eine Tatsache, die sich nicht einfach so ändern lässt; sie ist und bleibt ein stetiger Prozess. Nach Covid hatten wir ein bisschen zu wenig AL-Personal, was wir erst über Angestellte im Stundenlohn lösen wollten. Wir haben uns dann aber zugunsten Nachhaltigkeit für Festanstellungen zu kleinen Pensen entschieden. So haben wir jetzt zwei neue Mitarbeiterinnen, die beide zu 15 Prozent angestellt sind und unter anderem eben ALs machen.

Die Arbeitsstellen werden über die Einnahmen des Royals bezahlt. Die Fördergelder, die wir unter anderem von der Stadt Baden sowie dem Aargauer Kuratorium erhalten, sind klar an Programminhalte gebunden. Das ist eine Herausforderung, die die Schweizer Kultursubventionslogik mit sich bringt. Und ich denke, das ist eine weitere Eigenheit des Royals im Vergleich mit anderen Kulturhäusern: die Subventionen machen bei uns nur etwa 20 Prozent aus. Zu 80 Prozent ist das Royal eigenfinanziert – auch dank unzähligen Stunden ehrenamtlicher Arbeit. Nicht alles wird direkt in diese Rechnung aufgenommen, klar. Zum Beispiel haben wir gerade sehr viel investiert in die Veranstaltungstechnik. Aber so im Normalbetrieb stimmt das wirklich mit den 80 Prozent.

Das ist natürlich ein gewisses Risiko, das wir haben. Und dass es funktioniert, ist dem geschuldet, dass wir alle diese Pensumshälfte mehr arbeiten, als wir laut Vertrag angestellt sind. Nicht vergessen gehen darf: nur sehr privilegierte Personen können sich ein so grosses Engagement überhaupt leisten! Das schliesst ja schon einmal recht viele Menschen aus, weil sie sich das schlicht nicht leisten können.

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Teil des Finanzierungsmodells ist seit dem Sommer auch diese Quadratmieter:innen-Geschichte. «Royal mieten» heisst das. Da haben wir mal wieder versucht, die lokale Bevölkerung einzubeziehen. Das wurde vom Royal schon öfter gemacht. Früher gab es ja mal diese Royal Family, danach kam kurz die Glühbirnen-Pat:innen-Idee, dann irgendwann eben diese kulturpolitische Idee, wo wir uns gefragt haben: Was kostet eigentlich ein Quadratmeter an diesem Standort? Weil, diese ganze Royal-Sache machen wir ja schon auch wegen dem sehr zentralen Standort und wegen dem Raum an und für sich – dem alten Haus, der Geschichte und Tradition wegen, dem Nutzen bestehenden Raums, dem Erhalten von Freiraum für viele … und das ist ein stetiger Nahkampf mit dem Kapitalismus.

Vor ein paar Jahren, als es darum ging, einen neuen Mietvertrag auszuhandeln, wurde diese Idee geboren. In der Zeit haben wir immer wieder die Quadratmeterpreise für Gewerbe- und Geschäftsfläche an zentralen Standorten angeschaut. Das mussten wir natürlich – denn wir mussten ja in der Lage sein, beurteilen zu können, ob wir am Ende einen okayen Preis bezahlen. Obwohl wir das Haus im Rohbau mieten und für alles drin und dran und drumherum verantwortlich sind.

Also, die Idee war eben, wenn eine Person einen Quadratmeter mietet, kriegt sie ein Royal-GA und kann ohne zu bezahlen an fast alle Veranstaltungen gehen. Weil diese Person ist ja dann Mieter:in. Bei ihrem Besuch darf sie dann auch mehr als nur einen Quadratmeter besetzen, haha. Und diese Fr. 353.-, die ein:e Mieter:in bezahlt, ist effektiv der Preis, den wir pro Quadratmeter unserem privaten Vermieter bezahlen!

Dieses Projekt ist gut angelaufen. Wir vermieten im Moment circa 170 Quadratmeter. Dadurch kriegen wir einen Teil der Hausmiete von einer Vielzahl an Unterstützer:innen bezahlt. Wir sind gespannt, wie es nächstes Jahr laufen wird – das zweite Jahr ist oft etwas harziger.

Aber wir haben mega viel schönes Feedback bekommen, was mich sehr freut. Es wird begrüsst, dass nicht zwingend ein Vereinsleben geführt werden muss, um Teil vom Royal sein zu können oder sich dafür zu engagieren. Die Menschen können auf eine spezielle Art Mitmieter:innen sein, teilhaben, den Raum nutzen und das Royal unterstützen.

Es war so ein bisschen eine Furzidee, typisch Royal. Es kommt uns was in den Sinn und dann machen wir es einfach. Und diese Furzidee wurde dann mit Website und Kommunikation total cool umgesetzt. Und das ist eben wieder eine weitere Eigenheit vom Royal: Wir haben eine Idee und dann machen wir es, probieren, lernen Neues – oder scheitern.

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Die langjährige Tradition von «Freiräume schaffen und erhalten» und «Kultur selber machen» spielt bei uns schon auch eine Rolle. Es gibt in Baden ein gewisses Besetzer:innen/DIY-Kultur-Erbe aus den 80er- und 90er-Jahren. Vor allem in der älteren Generation ist sicher viel Wissen und Bewusstsein vorhanden. Beispielsweise die Menschen, die 2011 die erste Royal-Betriebsgruppe bildeten, hielten diese Verbindung noch ganz stark präsent.

Wir jüngeren Royal 2.0-Betreiber:innen kamen da ein bisschen in ein gemachtes Nest rein und mussten erstmal checken, was für ein Erbe wir hier eigentlich tragen. Ich weiss nicht, ob es Verantwortung ist oder eine Chance. Wahrscheinlich beides. Gleichzeitig merke ich, dass es für jüngere Menschen noch einmal 10 bis 15 Jahre weiter weg ist und für sie diese Freiräume nicht mehr so im Vordergrund stehen. Vielleicht weil sie sie für gegeben nehmen. Und das ist für uns vom Royal schon wichtig: dass das Royal ein offener Ort bleibt, wo ausprobiert werden kann.

Klar ist bei uns «Diversität leben» eine Grundeinstellung. Wir stellen das auch nicht so in den Vordergrund, wie es in urbaneren Kontexten ja schon auch mal gemacht und proklamiert wird. Vielleicht sind wir manchmal nicht so gut in der Kommunikation, sondern gehen Dinge einfach mal an. Wir schauen gelebte Diversität als eine Bereicherung an, aber sie ist uns auch eine Pflicht. Wobei es mir wichtig ist zu sagen, dass es in diesem Gewusel von Diversität auch nicht für alle Menschen gleich möglich ist, in jeder Situation auch noch für andere mitzudenken. Sowas muss in einem diversen Betrieb auch Platz haben.

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Ich kann nicht behaupten, dass wir die lokale Verwurzelung mega bewusst eingerichtet haben und pflegen. Für gewisse Menschen mag das Royal bestimmt ein bisschen nach exklusivem, bubbligem Kleinstadt-Groove riechen. Vielleicht vergleichbar mit einem Quartier in einer Stadt. Aber es ist uns für die lokale Bevölkerung und Menschen von Überall wichtig, dass das Royal der grossen kulturelle Vielfalt unserer Kleinstadt Raum bietet. Das wird geschätzt. Es ist schon eher so, dass man sich kennt und unterstützt. Vielleicht sind die Menschen hier auch ein bisschen offener und ziehen sich auch mal was rein, das sie sich nicht unbedingt ausgesucht haben. Sondern sie gehen halt ins Royal, weil da einfach was läuft oder andere auch gehen.

Ein Beispiel für die positiven Auswirkungen, der vorher erwähnten Haltung als möglichst offener Ort, ist das Kafi Royal. Das gibt es seit Beginn, also seit 2011. Jeweils am Dienstagabend treffen sich da Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hinter- oder Vordergründen, unterschiedlichen Nationalitäten und Sprachen und unterschiedlichen Aufenthaltsstatus. Da geht es um Übersetzungsleistungen wie Briefe verstehen, Briefe schreiben, Deutsch lernen, Austausch. Aber es geht auch darum, Menschen, die nicht hier aufgewachsen sind, Dinge über die Vorgänge in der Schweiz zu erklären, die nicht unbedingt einfach logisch nachvollziehbar sind. Viele Menschen, die das Kafi Royal regelmässig besuchen oder besucht haben, konnten Fuss fassen und haben zum Beispiel eine Lehre gemacht, kommen immer noch regelmässig ins Royal oder arbeiten an der Bar. Einige sehen das Royal beinahe als erweitertes Wohnzimmer, was wir sehr begrüssen.

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Im Vergleich zum Royal stellen sich beim OOAM natürlich andere Herausforderungen. Für ein Festival musst du ja innert kurzer Zeit und nur für ein paar wenige Tage eine funktionierende Infrastruktur aufstellen. Da braucht es ein ganz anderes Know-How. Das ist Projektarbeit, die stärker von einem Konzept und dessen Umsetzung lebt. Das muss ermöglichen, dass man ab Festivalstart neun Tage lang einen Betrieb hat, wo nicht alles noch einmal diskutiert werden muss. Das alles muss vorher passieren. In einem laufenden Betrieb wie dem Royal ist das natürlich anders. Da kannst du immer wieder alles neu hinterfragen oder das Ganze einfach, in anderen Zeitabständen, auch etwas fluider gestalten. Das sind unterschiedliche Voraussetzungen und Herausforderungen.

Die Gründer des One Of A Million waren Nik Fischer, Martin Isler und Flurin Isler. Die hatten eine Bar im Bäderquartier, die hiess herbert. Darum heisst auch der Verein, der das OOAM organisiert, auch heute noch Verein herbert. Dort organisierten sie auch Konzerte. Ich selber half dort manchmal hinter der Bar. Die Bar musste dann schliessen, wegen Nachbar:innen, die sich am Lärm störten.

Die Initiant:innen kamen dann darauf, dass ein jährlich stattfindendes Musikfestival in Baden doch eine gute Idee wäre. Eines, das sich an der internationalen Festivallandschaft orientieren wollte – also an Festivals in Kleinstädten vergleichbar Grösse oder Ausstrahlung. Ein solches Festival gab es in der Schweiz damals noch gar nicht. So kam das. Die erste Ausgabe war 2011. Damals noch im Nordportal, für die ersten beiden Durchführungen. Danach dann im Royal sowie an vielen weiteren Orten in Baden.

Das OOAM wuchs nach und nach, veränderte sich und entwickelte sich weiter. Mittlerweile macht es ganz Baden zu einem Konzertort, wo das Publikum sich durch die Stadt bewegt.

Aber auch personell entwickelte es sich: erst war es eine Festivalleitung von zwei, dann drei und heute fünf Personen. Diese Fünf sind heute zu je 10 Prozent angestellt, decken alle Organisationsbereiche des Festivals ab und treffen sich übers ganze Jahr, je nach Zeitpunkt mehr oder weniger. Der Rest des Festivals lebt von zahlreichen ehrenamtlichen Helfer:innen und im Umgang mit ihnen ist beim OOAM ein besonderes Bewusstsein vorhanden. Das würde ich mal so behaupten. Alle wissen, dass ihr ehrenamtliches Engagement unglaublich wichtig ist und dass diese unbezahlte Arbeit unschätzbar wertvoll ist, weil das Festival sonst gar nicht in diesem Rahmen stattfinden könnte. Oder: das das unbezahlte Engagement eben genauso wertvoll ist, wie das bezahlte. So machen alle miteinander diese paar Tage Festival zusammen durch, mit wenig Schlaf und viel Belastung, begegnen einander empathisch und unterstützen sich, weil doch alle im gleichen oder zumindest sehr ähnlichen Boot sitzen.

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Das OOAM war eines der ersten Festivals in der Schweiz, das ein Nachhaltigkeitskonzept aufstellte. Das war noch, bevor Nachhaltigkeit ein omnipräsentes Thema war. Das ist beteiligten Menschen zu verdanken, die ein aktives Interesse und Lust daran, aber auch Know-How darin hatten. So gelang es in diesem Festivalkontext beispielsweise, nachhaltig-regionales Essen anzubieten und bei den Mitarbeitenden und Publikum ein Bewusstsein zu erzeugen: «Ja klar, wir könnten auch einfach alles kompensieren, aber alle Emissionen, die wir im ersten Moment vermeiden können, vermeiden wir!» Auch hier war es so: es gab eine Idee und diese wurde dann einfach umgesetzt und gelebt – lebt immer noch so. Und da kommt weiter zum Ausdruck, dass es auch beim OOAM darum geht, Dinge zu verändern, Strukturen zu hinterfragen und sie neu oder anders zu leben.

Auf Initiative von Fabian Mösch legten wir 2018 fest, dass wir während dem OOAM einer hohen Beteiligung von FINTA-Personen eine Bühne bieten möchten. Auf eine Quote verzichteten wir, aber nahmen es sehr genau damit. Uns schien klar, dass wir mit dieser Devise ein vielfältiges, aber auch in sich geschlossenes Programm gestalten können. Auch hier wieder, haha, wir machen und leben es einfach und tragen es mit uns, teilen es mit dem Team, den Helfer:innen und dem Publikum, ohne es als Werbeslogan zu benutzen. Und ja, wir tragen auch die Konsequenzen, es sind fast rundum positive!

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Ich bin mir natürlich bewusst, dass wir eine kleine Bubble sind und unsere Reichweite beschränkt ist. Gleichzeitig ermöglicht uns dieses Klein-Sein aber auch, weiterhin Risiken einzugehen und Dinge auszuprobieren. Mal Scheitern gehört da natürlich auch dazu.

Ich persönlich habe durch meine langjährige Mitarbeit beim Festival auch einen gewissen Pragmatismus gelernt – manchmal braucht es den pragmatischen Entscheid, der nicht alle wichtigen Aspekte entsprechend in Rechnung nehmen kann. Aber sonst würde alle unsere Energie in endlosen Diskussionen fliessen. Lernen aus Scheitern ist die Folge.

Erst in den letzten Jahren wurde ich mir immer mehr bewusst, dass wir uns auch an diesen eher alternativen Musik-Festivals in Bubbles bewegen und immer wieder den gleichen Menschen und den gleichen Codes begegnet. Ich denke, das ist eine Tatsache, die immer wieder hinterfragt werden muss. Nur so können vorherrschende Strukturen durchbrochen und weiterentwickelt werden. Ziel muss sein, allen Teilnehmer:innen zu ermöglichen, ihren Horizont zu erweitert. Das passiert meistens erstmal im Kleinen.

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Baden war und ist eine Festivalstadt – heute mit dem Fantoche für Animationsfilm, dem Figura für Figurentheater oder dem Bluesfestival. Badenfahrt gibt es auch noch. Der Wissenstransfer zwischen diesen Festivals findet aber vor allem durch die ehrenamtlichen Helfer:innen statt, habe ich das Gefühl. Viele von ihnen besitzen langjährige Mitwirkungserfahrung und viel wertvolles Wissen. Auf professionell-organisatorischer Ebene gibt es nicht so viel Austausch, soweit ich weiss. Ich denke, da spürt man wohl den spannenden Gap zwischen unserer Pop/Rock/Underground-Kultur und den tendenziell hochsubventionierten Sparten Kleinkunst/Theater und Film.

Ich hatte auch immer den Eindruck, dass wir vom OOAM ein bisschen als «die Jungen, die hier auch noch so ein bisschen was machen» angeschaut werden. Für mich sind wir da aber längstens raus. Mittlerweile sind wir ehemals jungen Kulturschaffenden ein genau so wichtiger Teil von und für Baden – wenn nicht sogar wichtiger als die anderen. Aber ja, es gibt da schon ein bisschen ein Gap zwischen OOAM und den anderen, der muss nicht negativ sein.

Die Badener Festivals profitieren vor allem hinsichtlich Infrastruktur voneinander. Es gibt ja ganz unterschiedliches kulturelles Engagement hier, aber die Infrastruktur, die Räume, die Bühnen werden geteilt. Das ist mega wertvoll.
Eine Sache, die die Festivals teilen, ist zum Beispiel der Kulturbus, der eine Art Werbefläche für die Festivalstadt Baden ist. Da steht drauf «Kultur ist Badens Antrieb». Für das OOAM ist es okay, Teil davon zu sein, da vertreten zu sein, aber das ist jetzt nicht unbedingt die Art CI, die das OOAM sucht. Da stehen schon unterschiedliche Moods und Zielpublika dahinter.

...

OOAM-Besucher:innen empfehle ich, dass sie sich mindestens einen ganzen Tag aussuchen, den sie am Festival verbringen. Da kann einerseits ein Konzert auf einer grossen Bühne besucht werden – so wie man es sich gewöhnt ist –, aber dann auch eines oder zwei irgendwo in der Stadt, an einem unkonventionellen Ort. Oder, zur Abwechslung: baden in den heissen Brunnen!

Das OOAM 2024

Der Cut-up-Hardcore von Moin, das fantastische Tara Clerkin Trio, die teneriffasehnsüchtigen Düsseldorf Düsterboys, die neuen Songs von Helena Deland und Torres oder Moictani mit ihrem Sommerhit «Il fait chaud»: Das sind nur einige der vorfreudig erwarteten Auftrendenden, die während den neun One of a Million-Tagen nach Baden locken. Zwischen den Konzerten wandern die Besuchenden von Ort zu Ort, bestaunen die heissen Brunnen (ja, Badezeug einpacken ist dieses Jahr Pflicht), und besuchen die Stadtkonzerte an den Nachmittagen an Orten wie dem Kindermuseum, dem Kurve Kiosk oder der Sebastianskapelle (Junge Eko!). Und vielleicht: erschliessen sich dank einem Besuch neue Lieblingsorte in der Stadt Baden. (Text: benedikt@splatz.space)

 

Das Royal im Web: www.royalbaden.ch
Instagram hier

Das One of a Million: www.ooam.ch
Instagram hier

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