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«Menschen kennen verschiedene Varianten von mir. Eine davon ist, ‹die mit der Bibliothek›»

Mara Züst

Wird es dein erstes Tattoo?

Nein. Gestern haben wir noch darüber gewitzelt – bei einem bleibt es ja meist nie. Mein Letztes ist jetzt aber 25-jährig. Ich habe also lange gewartet. Es wird mein Drittes.

...

Bist du ein spontaner Mensch, Mara?

Gute Frage. Im Buch, das ich gerade lese, eines von Etel Adnan, schreibt sie etwas über Intuition. Spannendes Wort. Intuition ist für mich etwas, das fliessend mit der Wahrnehmung passiert, etwas, das im richtigen Moment sichtbar wird. Das mit dem Tattoo ist nicht so spontan, wie es scheint. Es ist schon lange ein Thema. Lustigerweise habe ich mir vor ein paar Tagen gedacht, dass ich vielleicht den Herrn, der hier in der Umgebung wohnt und tätowiert, treffe, um mir von ihm etwas stechen zu lassen. Er war aber nicht da, als ich bei Peter Mettler zu Besuch war, der im selben Dorf wohnt, und es hätte vielleicht auch gar nicht so gut gepasst. Und dann kommt ihr; und dann kommt das, eine Form aus einer Fotografie von Johanna Himmelsbach – das sind Verwebungen von Geschichten, die wichtig sind. Entweder spürt man, dass die wichtig sind – oder sie schlüpfen dir durch die Finger.

Zufall interessiert mich hingegen weniger. Ich glaube, es ist schon so, dass alle mit offenen Augen durchs Leben gehen und Verbindungen herstellen – aber ohne Würgen. Manchmal schwierig in unserer Zeit, in der alles so fixiert scheint. Eine Freundin, Mirjam Wirz, hat das mal so schön beschrieben: Wenn man sich irgendwas vornimmt, das dann nicht geht, und man probiert, holt das Brecheisen hervor – bis einem klar wird, dass es mit mehr Druck nicht einfacher wird. Manchmal muss man auch etwas sein lassen.

...

Hier ist das Tattoo, das ich vor 25 Jahren habe stechen lassen. Ein Fötus. Meine Kinder streiten sich immer darum, wer es sein darf. Es sind natürlich beide. Je nach Tag; abwechslungsweise.

...

Ich habe ja noch gar nicht erzählt, warum ich an dieser Stelle ein Tattoo will. Also, manchmal habe ich das Gefühl, wohl ein typisches Mutterthema, dass ich meinem Sohn zu sehr auf die Pelle rücke. Ich möchte ein Mantra zum Gehenlassen. Das Tattoo ist jetzt der Reminder. Eigentlich müsste es sogar weiter vorne, auf der Hand, sein.

Ich hoffe, ich kann konzentriert reden, während dem du am Stechen bist.

...

Wenn man Projekte intuitiv angeht, muss man immer ein bisschen aufpassen, dass sie nicht als fahrig oder hastig verstanden werden. Meine Projekte sind immer sehr aufwendig in der Vorbereitung, aber das Herstellen von Verbindungen finde ich dabei besonders interessant. Ich denke gerne darüber nach, wer oder was involviert sein soll. Ein Zustand, in den ich mich reingeben muss – und dann kommen mir plötzlich die Ideen. Ich könnte mich schon mit einem Blatt Papier hinsetzen, das zu einer Liste wird, aber manchmal gehe ich besser spazieren – und dann fällt mir zum Beispiel die Person oder die Gruppe ein, die am besten passen würde.

...

Wenn ich den Leuten sage, «ich bin Künstlerin», kommt oft die Nachfrage: «Malst du?» Dann sage ich: «Nein, ich schreibe Gedichte.» Was aber auch nicht wirklich stimmt. Nur manchmal. Die Bibliothek zum Beispiel ist ja auch eine spezielle Verwebung, die zwar einen wichtigen Teil, aber inzwischen einen kleinen Teil meiner Arbeit ausmacht. Früher war sie wichtiger – bis sie hier installiert wurde. Ich habe mich gefragt, was ihr seht, wenn ihr die Bibliothek anschaut. Was interessiert euch?

...

Zurück zur Intuition: Ich lege mir nie gross Strategien zurecht oder mache Pläne. Im Kleinen vielleicht schon, aber nicht für das Leben. Der grosse Plan, wo man hingeht… Vielleicht etwas unpassend in einer Zeit von «Wo siehst du dich in fünf Jahren». Etwas, womit ich mich aber sicher schon lange beschäftige, sind Archive. Letztes Jahr habe ich zusammen mit der Künstlerin Marilin Brun ein Büchlein und eine Ausstellung zur Geschichte und den Künstlerinnen der SAFFA 1928 gemacht. Ausschlag für «Denn wenn Chloe Olivia mag…» war, dass wir auf einen Text gestossen sind und gemerkt haben, dass es eine schweizerische feministische Kunstgeschichte gibt, die niemand mehr wirklich kennt und auf die auch an den Unis nicht hingewiesen wird. Also haben wir daraus ein künstlerisches Projekt gemacht, das sehr recherche- und archivbasiert funktioniert. Mit einer Geschichte aus einer Zeit, in der weniger umfassend Akten gesammelt wurden; und Frauenthemen erst recht nicht. Ein Thema also mit vielen Lücken. Wir haben natürlich die Hausaufgaben gemacht und haben verschiedene Archive durchforstet, ein paar Leerstellen gefüllt, aber eben nicht alle. In diesen bleibenden Lücken konnten wir spekulativ und nahe am Thema arbeiten. Wir sagten uns: «Wir arbeiten mit dem, was wir aus unserer Perspektive darin sehen.»

Das Thema unseres Projektes war die Selbstdarstellung von Künstlerinnen. Von Frauen, die Ende des 19. Jahrhunderts geboren worden sind. Für die Ausstellung nahmen wir auch Schriftstellerinnen dieser Zeit dazu. Wir haben Texte gelesen, in denen sie darüber schreiben, wie es ist, als Frau schöpferisch oder kreativ tätig sein. Von den Künstlerinnen haben wir Selbstporträts gesammelt und genauestens untersucht, wie sie sich als Malerinnen zeigen; in welchem Umfeld oder mit welchen Attributen.

Wie würdest du dich selbst darstellen?

So. (Mara zeigt auf das halbfertige Tattoo.)

Das ist eine grosse, alte Frage. Ich wüsste es nicht. Ich habe eine Fotografie von mir, die ich jeweils schicke, wenn jemand ein Porträt von mir will. Das ist hier im Alpenhof gemacht worden, als Tine Melzer die verschiedenen Worte unterhalb der Fenster angebracht hat. Während wir Buchstaben herumgetragen haben, hat jemand aus dem Team ein Foto von mir gemacht, auf dem ich das Wort «Freund» hochhebe. Ich mag es, weil es auf eine Weise extrem seriös ist, aber eben auch gar nicht. Und auch, weil es in einer Umgebung entstanden ist, die mir wichtig ist. Ich trage darauf Wanderschuhe – also auch kein intellektuelles Bild.

Anhand eines Porträts kann ja auch gezeigt werden, in welchem Zusammenhang man wahrgenommen werden will.

Ja. Aber das riecht ein wenig nach Strategie, was mich wenig interessiert. Und doch denke ich manchmal, dass es doch schlau wäre – gerade, wenn man so viele verschiedene Sachen macht wie ich – dass man einen Hint gibt, wie man gelesen werden will. Ich schreibe auch meine Kurzbiografie immer wieder um, je nachdem, in welchem Kontext sie auftaucht. Sich immer wieder neu kontextualisieren, das mag ich gerne. Das liegt mir. Aber es führt natürlich auch zu Verwirrungen. Menschen kennen verschiedene Varianten von mir. Eine davon ist «die mit der Bibliothek».

Wie weisst du eigentlich, wie tief du stechen musst?

An einem kleinen Geräusch, das die Nadel beim Rausziehen macht. An was bist du jetzt gerade dran? Von Doris Stauffer hast du erzählt…

Ja, mit Simone Koller und Esther Schena arbeite ich an einem Projekt zu ihrer vermittlerischen Arbeit. Dieses Projekt zum Beispiel lebt sehr davon, Verbindungen in verschiedene Richtungen herzustellen. Ich habe ein gutes Gefühl. Alle Involvierten sind toll und engagiert. Dann mache ich etwas mit Film und Audio mit einer Schulklasse. Das mache ich sehr gerne, meist so zweimal im Jahr. Dann habe ich im Juni mit Habib Afsar für das Community Festival «About Us!» in Albisrieden Workshops organisiert und eine Ausstellung gemacht. Dabei ging es vor allem um Geschichten. Ein typischer Storytelling-Ansatz, bei dem man von Objekten oder Zeichnungen ausgehend Geschichten erzählt. Dann bin ich noch an etwas dran, bei dem ich nicht vorwärts komme. Ein Projekt um Freiheit, wie sie unterschiedlichst verstanden werden kann, das viel Geduld verdient.

...

(Das Tattoo ist fertig).

...

Ich übe ein bisschen, mehr frei zu machen. Ich schaffe es nicht.

...

Ein Teil dieses Intuitiv-Bleiben bedeutet auch, Raum zu haben. Raum um zu Lesen und für Zufälliges. Gespräche zum Beispiel. Das ist auch Teil meiner Arbeit. Und nun haben wir sie wieder, diese Verbindungslinien.

Hast du eine freundschaftliche Beziehung zu deinen Projekten?

Ja, sehr. Nicht nur zu den Menschen, sondern auch zu den Projekten selbst. Sie sind Wegbegleiterinnen. Wenn man ein Buch macht, entstehen Seilschaften über das Ding, das man da so in die Welt hinausschickt. Das ganze Projekt ist eine Freundschaft. Zum Beispiel ist und war Doris Stauffer als Person extrem beeinflussend für mich. Es ist eine Beziehung entstanden. Immer einmal in der Woche, am Freitag nach ihrem Mittagsschlaf, haben Simone Koller und ich sie besucht. Manchmal habe ich ein Roastbeef-Sandwich mitgenommen – die liebte sie – und natürlich die obligaten Zigaretten. Ich habe viel davon profitiert, mit einer so weisen Person zusammenzusitzen. Aber das war schlussendlich nicht der Grund für das Buch. Es geht vielmehr darum, eine vergessene Geschichte zu erzählen. Sie in eine andere Form zu bringen oder die, die etwas daran finden, in dem bestärken, was sie machen.

...

Dieses Lücken-Aufspüren in Archiven und das Leerstellen-Füllen habe ich auch bei meiner Recherche-Residency in Nepal beobachtet. Das Thema der SAFFA ist dort in einem anderen Zusammenhang aufgetaucht: Ich bin auf verschiedene Menschen und Projekte gestossen, die mehr oder weniger spekulativ arbeiten. Nepal ist ein von Bürgerkrieg geschütteltes Land, das erst seit 15 Jahren eine Demokratie ist. Es gibt nicht wirklich Archive, so, wie wir das hier kennen. Das führt dazu, dass die Nepales:innen stark damit beschäftigt sind, ihre Geschichte zu erzählen – und das in den unterschiedlichsten Varianten. Je nach dem, was eine Gruppierung oder Einzelperson als wichtig erachtet. Geschichten von Leid und Krieg, die mit Methoden der Oral-History, oder mit Quellen, Beweisen etc. aufgearbeitet werden – vieles muss aber auch im Jetzt gesammelt werden. Da gibt es ein Kollektiv, das mit anderen Methoden arbeitet. Sie sammeln mit offenen Ohren und Augen Spuren, bei denen nicht klar ist, wohin diese führen. Es geht darum, dass eine Geschichte erst kreiert werden muss, da sie noch nicht materialisiert ist. Da ist es logisch, dass man spekulativ arbeiten muss, da es Archive eben nicht gibt oder sie sehr zufällig sind. Umgekehrt versprechen unsere Archive eine Vollständigkeit, die sie nicht einhalten können.

...

Was würdet ihr sagen? Ist Kunst machen stets eine Suche nach der eigenen Identität? Ich glaube, es ist eher ein Suchen im Sinne von «die Welt verstehen» oder auch «in der Welt stehen». Denn man versucht doch immer, sichtbar zu machen oder auch festzuhalten, was die Welt sein könnte. Schmerzvoll, aber im Idealfall macht man etwas Konstruktives. Aber es geht nicht darum, die eigene Identität zu manifestieren. Natürlich entwickelt sich diese durch das künstlerische Schaffen, aber sich nur mit sich selber auseinanderzusetzen – nein, das wäre nicht der Inhalt. Ich denke dabei an feministische Performerinnen der 60er- und 70er-Jahre, die diese Suche thematisieren, aber sie stets vom «ich» lösen und weitertreiben. Mit dem eigenen Körper performen und so etwas über mehrere Körper aussagen.

Wie ist dein Verhältnis zur Bibliothek deines Vaters hier im Alpenhof?

Ja äbe. Sie ist sehr wichtig, aber im Moment nicht im Zentrum meiner Aufmerksamkeit. Ich habe mich ja auch aus der Jury rausgezogen. Es ist für mich immer noch interessant, da sie selber auch wie ein spekulativer Raum funktioniert und es in unserer digitalen Welt manchmal auch wichtig ist, Papier um sich herum zu haben. Aber sie ist im Stillstand. Sie ist mit wenigen Ergänzungen und Ausnahmen im Jahr 2000 eingefroren. Es gibt riesige Lücken, aber sie behauptet auch nicht, komplett zu sein. Eine random Zusammenstellung von Büchern. Man findet immer irgendwas. Sie wächst auch nicht mehr und wer weiss, ob sie in zehn oder zwanzig Jahren für irgendwen noch aufregend sein wird? Eine Frage, die dem Projekt spielerisch implizit ist. Dann kann man die Kisten wieder verpacken und das Projekt abschliessen. Diese Freiheit wäre ja da. Besonders Freude habe ich noch immer am Bibliotheks-Residency-Programm, da ich das spekulative – da ist es wieder – Schaffen mit bestehendem Material einfach spannend finde. Es wird nie alles gemacht und ausprobiert sein.

...

Wir haben alles mitgenommen. Es gab keine Selektion der Bücher. Mein Vater hat auch nichts weggeworfen. So findet man auch handschriftliche Notizen und Nachrichten von ihm zwischen den Seiten. Gewisse Bücher sind auch schlecht gealtert.

Was kommt hinter Glas?

Das Offensichtliche – aber natürlich nicht abschliessend. Das ist eine endlose Geschichte. Dann auch das Wertvolle. Oder das, was zu verlockend ist, zu klauen. Klein und charmant. Aber ja, das mit den problematischen Büchern… Wir sind doch alle etwas zwiespältig – sollen wir Bücher neu schreiben? Was geht (noch), was nicht? Als ich zum Beispiel zum ersten Mal «Mein Kampf» in den Händen hielt, kam mir natürlich der Gedanke, es einfach verschwinden zu lassen. Hat es hier etwas verloren? Aber dann denke ich an meinen Vater, an jemanden, der die Gesellschaft auch provozieren wollte. Und so gehört hier ein Buch zur RAF neben ein Buch von Hitler. Der Kontext ist nur durch die Anwesenheit von anderen Büchern gegeben. Kommentare aller Art gibt es von den Personen in Residency. Was ich nur schon im Bezug darauf interessant finde, dass ganz andere Generationen sich mit den Büchern beschäftigen. Es ist alles in allem eine super Bibliothek, ja, aber sie hat auch erschreckende Lücken. Und trotzdem gilt sie. Sie steht für eine individualisierte Art von Sammeln, als Zeitzeugnis. Ich habe schon viele Männer erlebt, die in den 40er-Jahren geboren wurden, wie mein Vater, und hier reinkamen, die sagen: «Ah, ich habe eine ähnliche Sammlung.»

Deswegen sollte sie vollständig sein. Es muss nicht zwingend ausgemistet werden. Wir können auch unsere Sichtweise darauf trainieren. Ich habe zum Beispiel letztes Jahr ein Buch mit wichtigen modernen türkischen Gedichten gelesen. Aber als Frau… Pffff – man nervt sich nur. Was sind das für Frauenbilder? Sehr verklärt, sicherlich nicht böse gemeint; aber sie interessieren mich nicht. Und doch ist es wichtige Literatur und gut, sie zu kennen. Es hilft auch, sich den eigenen Gebrauch von Sprache immer wieder vor Augen zu führen. Sprechen wir eine faire Sprache? Oder unter welchen Bedingungen entsteht ein Text: Wer kommt zu Wort und wer entscheidet? Wie müssen Sätze formuliert sein, um eine vermeintliche Opfergeschichte anders zu erzählen?

Ist das, was du machst, Kunst?

Da bin ich ein wenig störrisch. Ich entscheide jeweils mit Ausschlussverfahren: Ich wüsste nicht wohin sonst mit meiner Arbeit. Ich kann als studierte Historikerin und Kunsthistorikerin mit genau definierten Techniken arbeiten, aber in der Formgebung wende ich dieses Handwerk nicht an. Mich interessieren viele Fussnoten oder akkurate Abbildungen nicht. Manchmal muss man etwas zeichnen, um präziser als das Originalbild zu werden.

Aber ich muss schon sagen, es beruhigt mich, diese Ausbildung gemacht zu haben. Einerseits lernt man Methoden und Techniken sauber anzuwenden und andererseits geht es um das Selbstbewusstsein. Man umgeht Minderwertigkeitskomplexe und Gedanken wie «eine Historikerin würde es richtig machen» und hat nicht das Gefühl, dass man etwas mimikriert. Auch ein wenig blöd, dass ich das brauche. Aber es macht mich einfach biz legerer. Ja, vielleicht mache ich etwas verkehrt. Aber dann ist es bewusst. Sowieso liebe ich Fussnoten.

...

Ich würde mich in die künstlerische Forschung einordnen. Momentan arbeite ich an einer druckgrafischen Serie in unterschiedlichen Drucktechniken zum Thema Wasser. Entsprechend fluid werden unterschiedliche Geschichten verbunden. Wie schon für andere Projekte mit Krispin Heé. Sie sorgt dafür, dass meine Texte und Bilder ihre visuelle Gemeinschaft finden. Manche fragen mich: «Bist du Kuratorin?» Und ich denke mir: «Hmm, nein». Denn ich nehme ja keine anderen künstlerischen Positionen mit rein, was für mich kuratorisches Arbeiten ausmacht. So auch bei der Ausstellung der SAFFA: Die ist nicht von mir kuratiert, sie ist inszeniert, mit zwei Werken von Marilin Brun und mir.

...

Was mir als Historikerin aber auch spirituell sehr wichtig ist, ist, dass man alles und jede:n ausweist und aufführt. Namen nennen. Kontexte nennen. Das mache ich immer. «Say Her Name» stand neben der Liste von Künstlerinnen und Schriftstellerinnen, mit der das SAFFA-Büchlein beginnt. Man muss Dinge und Personen benennen, die gewesen sind, um sie in die Realität zu holen und Netzwerke offenzulegen – und auch neue zu knüpfen. Manchmal denke ich, Bücher sollten einen genau gleich langen Abspann haben wie Filme.

...

Das Schöne ist doch, Netzwerke sichtbar zu machen; die Zusammenarbeit. Es ist natürlich schwierig, eine festgefahrene Hierarchie zu überwinden. Wer steht mit Nachnamen? Wer ist Initiantin, wer die Autorin? Ganz auflösen geht nicht, aber sichtbar machen.

Du wolltest doch noch über Musik reden?

Wollte ich? Ich habe eine Zeit lang hinten in meine Bücher reingeschrieben, welche Musik bei der Arbeit am Buch wichtig war. Das dürfte ich eigentlich nicht laut sagen, aber ich gehe mehr an Konzerte als in Ausstellungen. In Ausstellungen fühle ich mich irgendwie professioneller. Aber bei der Musik, da bin ich viel offener, freier. Am meisten inspirieren mich Free Jazz-Konzerte, da kommen mir oft gute Ideen, obwohl das nicht wirklich meine Musik ist.

Was ich mag

  • Tätowierungen in der Form eines Lochs in einer Wolke
  • Den Topfgarten vom Atelier Zurlinden
  • Monotypien
  • Beim Kochen tanzen
  • Die Bücherstapel neben meinem Bett
  • Projektskizzen schreiben
  • Die Kleider, die ich von Freund:innen erbe
  • Das Stampfen von Druckmaschinen in Kolkata
  • Gedichte per Nachricht auf meinem Telefon
  • Velo fahren
  • Menschen

Meine Buchempfehlung:
Man muss hier in den Alpenhof hochkommen, um es zu lesen: «Reise zum Mount Tamalpais» von Etel Adnan. Es war so super, auf diesem Sofa zu liegen und über verschiedene Grautöne in den Wolken nachzudenken.

 

Mara Züst (*1976 in Zürich, lebt und arbeitet in Zürich, auf dem Bachtel und reisend) studierte Theorie/Visuelle Kommunikation FH an der ZHdK sowie Kunstgeschichte und Geschichte der Neuzeit MA an der Universität Zürich. Sie ist tätig als Künstlerin und Kunstvermittlerin, freischaffend und seit 2022 auch für die Stiftung artasfoundation, sowie Verantwortliche des Nachlasses Andreas Züst.

www.marazuest.net
www.bibliothekandreaszuest.net

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